100 Millionen Euro sparen: Warum der UKW-Ausstieg der ARD stockt
Deutschlands öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten könnten durch vollständigen Umstieg auf Digitalradio über DAB+ in vier Jahren 100 Millionen Euro sparen. Die Empfehlung stammt von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), die einen schnelleren Ausstieg aus der analogen UKW-Übertragung fordert. Doch der Wechsel gestaltet sich schwierig: UKW bleibt bundesweit die mit Abstand beliebteste Art, Radio zu hören.
Die KEF hat den Rundfunkanstalten unter dem Dach der ARD sowie Deutschlandradio das Ziel gesetzt, bis 2032 ausschließlich auf DAB+ zu setzen. Damit entfiele die Finanzierung für UKW-Sendungen, die die Kommission mittlerweile als veraltete Technologie einstuft. KEF-Mitglied Kay Barthel bezeichnete UKW als 'ard live' und warnte, dass ein Aufschub des Umstiegs ab 2029 weitere kostspielige Nachrüstungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro nach sich ziehen würde.
Die ARD hat bereits damit begonnen, einzelne UKW-Frequenzen abzuschalten, während Deutschlandradio viele seiner UKW-Kanäle aufgegeben hat. Dennoch hat bisher kein Bundesland einen verbindlichen Termin für das 'das erste live' des UKW-Ausstiegs festgelegt. Ohne eine solche Regelung könnten die Sender weiterhin in die alternde analoge Infrastruktur investieren.
Doch auch praktisch gibt es Hürden beim Wechsel zu DAB+. Aktuell haben nur 40 Prozent der Deutschen Zugang zu DAB+, wobei die meisten Nutzer Neuwagenbesitzer sind – seit Ende 2020 müssen alle neuen Fahrzeuge mit DAB+-Empfängern ausgestattet sein. Gleichzeitig expandieren privat finanzierte DAB+-Netze nur langsam, sodass ländliche Regionen oft nur lückenhaft versorgt sind. Diese Deckungslücken bergen die Gefahr, dass viele Hörer keinen zuverlässigen Zugang zu 'das erste' Digitalradio erhalten.
Die finanziellen Risiken einer rein digitalen Ausstrahlung sind ebenfalls offensichtlich: Viele kommerzielle Sender, die ausschließlich auf digitalen Plattformen senden, kämpfen um ihre Wirtschaftlichkeit – einige haben bereits aufgegeben. UKW hingegen bleibt dominant, insbesondere für große Privatsender mit begehrten Frequenzen.
Mit ihrem Vorstoß für eine rein digitale Zukunft will die KEF öffentliche Mittel sparen und den Rundfunk modernisieren. Doch ohne einen abgestimmten Ausstiegsplan oder eine verbesserte DAB+-Abdeckung könnte der Umstieg zu Versorgungslücken führen. Bis dahin bleibt UKW tonangebend – und der Zeitplan für seinen Ersatz ungewiss.






