AfD-Politiker Tillschneider provoziert mit radikaler Kritik an deutscher Schuldkultur
George BenthinAfD-Politiker Tillschneider provoziert mit radikaler Kritik an deutscher Schuldkultur
Dr. Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt, hielt eine Rede zum 81. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus. Seine Äußerungen stellten die historische Nachkriegsnarrative des Landes infrage und griffen in scharfen Worten die von ihm so bezeichnete „Schuldkultur“ an.
Tillschneider erkannte zwar das Ende der NS-Herrschaft an, deutete die militärische Niederlage jedoch als Verlust deutscher Kulturgebiete. Er sprach von einer „Amputation riesiger deutscher Kulturlandschaften“. In seiner Rede wies er zudem die berühmte Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aus dem Jahr 1985 als eine „geistige Kapitulation“ zurück.
Er warf den Deutschen vor, sich im Nachhinein auf die Seite der alliierten Sieger zu stellen, um Schuldgefühlen zu entgehen. Mit Formulierungen wie „absurde Schuldkultur“ und „imaginäre Kollektivschuld“ attackierte er das historische Selbstverständnis der Nation. Unter Rückgriff auf ein Zitat von Franz Josef Strauß argumentierte er, die ständige Beschäftigung mit der Vergangenheit sei zu einer „ewigen Buße“ geworden.
Obwohl Tillschneider eine „normale deutsche Identität“ forderte, warnte er zugleich, dass die Ausrichtung der AfD das Land in eine geistige Isolation zurückführen könnte. Seine Äußerungen sorgten wegen ihrer radikalen Ablehnung der etablierten Nachkriegsauffassungen für Aufsehen.
Die Rede fiel mit dem Jahrestag der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands zusammen. Tillschneiders Worte unterstrichen die tiefen Gräben in der Erinnerungskultur des Landes. Seine Kritik an der Schulddebatte und den historischen Narrativen dürfte die Diskussionen weiter anheizen.






