22 March 2026, 22:20

Böhmermanns Berliner Ausstellung provoziert mit Politik, Butter-Kohl und KI-Merz

Ein buntes Plakat an einer Gebäudewand mit der Aufschrift 'Les Humoristes Journal Hebdomadaire Illustré', das fröhliche, lachende Menschen zeigt.

Böhmermanns Berliner Ausstellung provoziert mit Politik, Butter-Kohl und KI-Merz

Jan Böhmermanns provokante Ausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt

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Mit "Die Möglichkeit der Irrationalität" präsentiert der Satiriker Jan Böhmermann im Berliner Haus der Kulturen der Welt eine mutige neue Ausstellung, die scharfe politische Kommentare mit absurden Installationen verbindet. Besucher müssen vor dem Betreten ihre Handys abgeben – ein erster Hinweis darauf, dass hier eine Erfahrung auf sie wartet, die herausfordert und provoziert.

Gleich zu Beginn lädt ein Fernrohr, das auf einen Spiegel gerichtet ist, zu einem wörtlichen Blick in das Büro des benachbarten Bundeskanzlers ein. Daneben zerfetzt eine Maschine alle 28 Minuten ein Stofftier – es sei denn, jemand zahlt, um es zu stoppen, und macht ein Foto. Dieses makabre Ritual verweist auf ein zentrales Thema der Ausstellung: den Preis der Untätigkeit.

Eine überlebensgroße Büste Helmut Kohls, vollständig aus Butter geformt, steht neben Grabsteinen, auf denen die Namen, Geburtsdaten und geschätzten Vermögen der reichsten Männer Deutschlands verzeichnet sind. Der Kontrast zwischen vergänglicher Kunst und beständiger Macht ist bewusst gewählt.

Weiter innen stößt man auf eine Nachbildung eines Einbürgerungstests – inklusive KI-generierter Aktbilder des Politikers Friedrich Merz. Das Werk hinterfragt Identität, Macht und die Absurditäten der Bürokratie. Ein "TV-Garten für Indie-Kids" bietet Live-Auftritte, während Souvenirs aus Böhmermanns Karriere wie Relikte der Mediensatire auf Podesten ausgestellt sind.

Die Ausstellung greift auch Böhmermanns Auseinandersetzungen mit dem Journalisten Wolfram Weimer auf, dessen umstrittene Äußerungen – darunter Vorwürfe des Antisemitismus – in der Sendung "ZDF Magazin Royale" seziert wurden. Sie verweist auf abgesagte Veranstaltungen, etwa eine geplante Diskussion im Haus der Kulturen der Welt, und verknüpft sie mit größeren Debatten über Meinungsfreiheit und kulturelle Boykotte.

Die Schau ist noch bis zum 19. Oktober 2022 zu sehen.

Böhmermanns Ausstellung zwingt die Besucher, sich mit unangenehmen Fragen zu Politik, Medien und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Indem sie Ablenkungen – angefangen beim Handy – eliminiert, verlangt sie direkte Auseinandersetzung. Die Mischung aus Satire, Spektakel und Kritik sorgt dafür, dass ihre Botschaft lange nach dem letzten Ausstellungsstück nachwirkt.

Quelle