Brandenburg testet neues Notdienstmodell für Apotheken – mehr Entlastung, aber längere Wege?
Hans-Werner HövelBrandenburg testet neues Notdienstmodell für Apotheken – mehr Entlastung, aber längere Wege?
Ein neues Pilotprojekt verändert die Notdienstregelungen in Brandenburgs Apotheken. Die Anfang Februar vorgestellte Initiative soll die Belastung für Apotheker verringern, ohne die Versorgung der Bevölkerung zu gefährden. Einige, wie der Golzower Apotheker Peter Schmieder, begrüßen die Neuerung – allerdings mit Vorbehalten hinsichtlich der Auswirkungen auf die Patienten.
Die Reform geht auf einen Vorschlag der früheren Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) zurück. Ursprünglich für Januar 2023 geplant, läuft das Modell nun bis zum 31. Dezember 2023 als Testphase. Kern der Änderung: Die Notdienste wechseln künftig alle 20 statt alle 13 Tage, wobei die bisherige geteilte Dienstabdeckung entfällt.
Eine Umfrage der Landesapothekerkammer Brandenburg (LAK) zeigte, dass der Großteil der Notfallnachfrage auf Wochenenden entfällt. Jens Dobbert, Präsident der Kammer, betonte, dass die Reform die Arzneimittelversorgung sichern und die Mitarbeiter entlasten solle. Gleichzeitig räumte er ein, dass Patienten möglicherweise weitere Wege zu einer geöffneten Apotheke in Kauf nehmen müssten.
Für Peter Schmieder, der die Notdienste bisher oft allein abdeckte, bedeutet die längere Rotationszeit eine Entlastung. Dennoch bleibt er zurückhaltend optimistisch und schlägt vor, Notdienststandorte künftig vermehrt an Krankenhäuser anzubinden, um die Patientenversorgung zu verbessern. Unterdessen bezeichnete Thomas Müller, ein hochrangiger Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums, die Reform als potenziellen "Upgrade": Bei Erfolg könnten die Vergütungen für Notdienste fast verdoppelt werden.
Das Pilotprojekt soll klären, ob weniger, aber längerfristig geplante Dienste die Arbeitsbelastung der Apotheker fairer verteilen und gleichzeitig den Zugang für Patienten gewährleisten können. Bei positiver Bilanz könnte das Modell die Notdienststruktur in Brandenburg nachhaltig prägen. Die Ergebnisse der Testphase entscheiden, ob die Änderungen nach Dezember dauerhaft umgesetzt werden.






