Deutschland will US-Marschflugkörper kaufen – strategische Wende in der Verteidigungspolitik
Hans-Werner HövelDeutschland will US-Marschflugkörper kaufen – strategische Wende in der Verteidigungspolitik
Deutschland drängt auf den Kauf von Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk sowie Typhon-Startsystemen aus den USA. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die schrumpfende militärische Präsenz der Vereinigten Staaten in Europa und die Auswirkungen auf die Abschreckung Russlands. In Berlin wird nun der Abschluss des Geschäfts mit Nachdruck vorangetrieben.
Ersten Berichten zufolge beabsichtigt Deutschland, drei Startanlagen und 400 Tomahawk Block VB-Raketen zu erwerben. Das Verteidigungsministerium bestätigte später, dass die Beschaffung aktiv geprüft werde. Die Bundesregierung signalisierte sogar Bereitschaft, zusätzliche Kosten zu tragen, um die Lieferung zu beschleunigen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius plant in Kürze einen Besuch in Washington, um über die mögliche Vereinbarung zu verhandeln. Die Eile spiegelt die wachsenden Bedenken hinsichtlich der europäischen Verteidigungsfähigkeiten wider. Derzeit gibt es auf dem Kontinent keine bodengestützten Langstreckenraketensysteme – eine strategische Lücke in der Abschreckung.
Während Großbritannien U-Boot-gestützte Tomahawks mit einer Reichweite von 1.600 Kilometern einsetzt und Frankreich über eigene Marschflugkörper mit 1.000 Kilometern Reichweite verfügt, markiert Deutschlands Bestreben nach bodengestützten Systemen einen Kurswechsel. Allerdings zweifelt der Verteidigungsexperte Carlo Masala am Erfolg des Vorhabens und warnt vor möglichen Hindernissen.
Sollte der Deal genehmigt werden, würde dies Deutschlands Fähigkeiten zu Langstreckenangriffen deutlich ausbauen. Die Anschaffung zielt darauf ab, eine kritische Lücke in der europäischen Sicherheitsarchitektur zu schließen. Über das weitere Vorgehen wird Pistorius’ Gespräche in Washington entscheiden.






