Erfurt setzt auf Marktanalyse statt Mindestpreise für Uber und Bolt
Hans-Werner HövelMandatorische Preise für Bolt? Stadt Erfurt reserviert - Erfurt setzt auf Marktanalyse statt Mindestpreise für Uber und Bolt
Mehrere deutsche Großstädte haben damit begonnen, Mindestpreise für Fahrdienstvermittler wie Uber und Bolt durchzusetzen. Seit Anfang 2026 verlangen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart von diesen Anbietern die Einhaltung festgelegter Tarife. Mit dieser Maßnahme soll ein fairer Wettbewerb mit dem traditionellen Taxigewerbe sichergestellt werden, das strengen kommunalen Beförderungsentgeltverordnungen unterliegt.
In Erfurt gestaltet sich die Situation anders. Dort ist Bolt seit Dezember 2022 aktiv und betreibt zehn Mietwagen – parallel zu den 90 zugelassenen Taxis der Stadt. Während Fahrdienst-Apps in der Regel 30 bis 40 Prozent weniger kosten als Taxis, haben die lokalen Behörden bisher auf die Einführung von Mindestpreisen verzichtet.
Bevor es zu Änderungen kommt, plant Erfurt eine umfassende Marktanalyse. Die Behörden werden erst dann handeln, wenn Fahrdienstvermittler die Gewinne der Taxibranche spürbar schmälern oder die Versorgung mit öffentlichem Nahverkehr gefährden. Anders als in Essen oder Heidelberg, wo Mindesttarife bereits gelten, geht Erfurt behutsam vor. Taxis gelten in Deutschland als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs und müssen sich an lokale Preisvorschriften halten. Bolts günstigere Preise erhöhen zwar den Druck, doch die Erfurt Verantwortlichen wollen belastbare Belege, bevor sie eingreifen.
Vorerst arbeiten das Erfurt Taxigewerbe und Bolt weiterhin ohne Tarifbeschränkungen. Die Stadt wird die Marktentwicklungen genau beobachten, bevor sie über die Einführung von Mindestpreisen entscheidet. Eventuelle künftige Regelungen hängen davon ab, wie sich die Fahrdienstvermittler auf die Nachfrage nach Taxis und die Stabilität des öffentlichen Verkehrs auswirken.