Europas Cloud-Offensive: Wie RcodeZero DNS und Schwarz Digits digitale Souveränität schaffen
Birgitt OttoEuropas Cloud-Offensive: Wie RcodeZero DNS und Schwarz Digits digitale Souveränität schaffen
Europa treibt seine digitale Unabhängigkeit voran, während die Sorgen über die Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Anbietern wachsen. Immer mehr Großunternehmen investieren massiv in heimische Infrastruktur, um Datenverarbeitung und KI-Anwendungen auf dem Kontinent zu halten. Zwei Schlüsselakteure – RcodeZero DNS und Schwarz Digits – treiben diese Entwicklung mit ehrgeizigen Expansionsplänen voran.
RcodeZero DNS hat in den vergangenen zehn Jahren sein europäisches Cloud-Netzwerk rasant ausgebaut. Was 2011 mit nur neun Standorten begann, umfasst bis 2026 über 50 Knotenpunkte bei 25 Anbietern. Parallel sicherte sich das Unternehmen Aufträge für die Verwaltung kritischer Domain-Endungen wie .at und .eu und verwaltet mittlerweile Millionen von Domains.
Unterdessen verfolgt Schwarz Digits, Teil der Schwarz Gruppe, einen anderen Ansatz. Unter der Führung von Rolf Schumann und Christian Müller baut die Sparte eine eigene Cloud-Infrastruktur auf, um europäische Daten in Europa zu halten. Ihr Flaggschiff-Produkt Stackit kombiniert hauseigene Cloud-Dienste mit Open-Source-Technologie – stets mit dem Fokus auf Datenhoheit.
Erst kürzlich präsentierte das Unternehmen Pläne für ein riesiges Rechenzentrum im brandenburgischen Lübbenau mit einem Investitionsvolumen von 11 Milliarden Euro. Die Anlage soll 100.000 Grafikprozessoren (GPUs) beherbergen, um sowohl interne Daten der Schwarz Gruppe zu verarbeiten als auch überschüssige Kapazitäten externen Kunden anzubieten. Schumann betont, dass KI als Produktivitätstreiber verstanden werden sollte – reguliert durch Vorschriften wie den EU AI Act und die DSGVO, die verantwortungsvolle Innovation fördern, statt sie einzuschränken.
Europas Initiative kommt zu einer Zeit, in der US-Unternehmen wie Amazon Web Services, Microsoft und Google fast 65 Prozent des weltweiten Cloud-Marktes dominieren. Auch China hat durch staatlich unterstützte Tech-Giganten eigene Ökosysteme aufgebaut – Europa bleibt damit abhängig von ausländischen Standards und Infrastrukturen. Das Konzept der digitalen Souveränität gewinnt zunehmend an Bedeutung, um die Kontrolle über Daten, Infrastruktur und wirtschaftliche Wertschöpfung zurückzugewinnen.
Die Expansion von RcodeZero DNS und Schwarz Digits steht für einen größeren Trend: die Verringerung der Abhängigkeit Europas von nicht-europäischen Cloud-Anbietern. Mit massiven Investitionen in lokale Infrastruktur wollen diese Unternehmen Datenverarbeitung und KI-Entwicklung auf dem Kontinent verankern. Der Erfolg dieser Projekte könnte die digitale Zukunft Europas in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.






