21 February 2026, 14:39

Flensburgs neuer Ansatz gegen Krawall: Trinkraum statt Alkoholverbot am Südermarkt

Ein altes Foto eines Stadtplatzes mit einem Brunnen, umgeben von einem Metallzaun, Menschen auf Bänken und im Hintergrund ein Gebäude mit Fenstern, mit Text am unteren Rand des Bildes.

Flensburgs neuer Ansatz gegen Krawall: Trinkraum statt Alkoholverbot am Südermarkt

Flensburg geht die langjährigen Probleme am Südermarkt mit einem neuen Maßnahmenpaket an. Statt auf Alkoholverbote zu setzen, hat die Stadt eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um den Platz sicherer und inklusiver für Anwohner und Besucher gleichermaßen zu gestalten. Der Ansatz umfasst neue Einrichtungen und eine verstärkte Sicherheitspräsenz, um Lärm, Kriminalität und öffentliche Rüpelhaftigkeit einzudämmen.

Ein zentrales Projekt ist die Eröffnung eines Trinkraums – eines betreuten Konsumraums in einer ehemaligen Kneipe –, in dem Menschen in einem kontrollierten Umfeld zusammenkommen können. Das mit jährlich 108.000 Euro geförderte Vorhaben zeigt trotz anfänglicher Skepsis der Bevölkerung bereits vielversprechende Ergebnisse.

Jahre lang hatten Anwohner und Händler in der Nähe des Südermarkts über Probleme geklagt – von lauten Streitigkeiten bis zu körperlichen Übergriffen. Zu den Beschwerden zählten zudem blockierte Eingänge, Sachbeschädigungen, Drogenkonsum und verbale Angriffe auf Mitarbeiter. Statt strikte Alkoholverbote durchzusetzen, die nach Ansicht einiger das Problem nur verlagern würden, setzt die Stadt auf eine andere Strategie.

Der Trinkraum in der Alten Apotheke wurde als Pilotprojekt eröffnet, um eine ruhigere Alternative für gemeinsames Trinken und Geselligkeit zu bieten. Besucher können sich dort treffen, Spiele spielen und plaudern – ohne die Störungen, die in öffentlichen Räumen oft auftreten. Erste Rückmeldungen deuten darauf hin, dass das Experiment gelingt: Es gab weder Auseinandersetzungen noch Vermüllung, und die Nutzer halten den Raum ordentlich.

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Parallel dazu bietet die Initiative Blau:Pause Co-Working-Spaces, Bastelräume und eine Halle für Sportkurse an. Ziel ist es, ein breiteres Publikum an den Südermarkt zu ziehen und die Dominanz einzelner Gruppen zu verringern. Gleichzeitig verstärkt die Stadt die Sicherheitsstreifen und plant eine Neugestaltung des Betonplatzes sowie der öffentlichen Toiletten, um Sicherheit und Barrierefreiheit zu verbessern.

Während Schleswig-Holstein flächendeckend Alkoholverbotszonen einführt, geht Flensburg einen anderen Weg. Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadt, zweifelt daran, dass Verbote die Ursachen der Probleme lösen – sie könnten diese lediglich an andere Orte verlagern. Bisher sind betreute Trinkräume wie der Trinkraum in Deutschland noch selten; nur Berlin testet Anfang 2026 ähnliche Projekte.

Ob Flensburgs Initiativen langfristig erfolgreich sind, wird sich in den Sommermonaten zeigen. Laufen der Trinkraum und Blau:Pause weiter reibungslos, könnten sie als Vorbild für andere Städte mit ähnlichen Herausforderungen dienen. Der Fokus liegt derzeit darauf, den Südermarkt zu einem Ort zu machen, der für alle funktioniert – und zwar ohne sich allein auf Verbote zu verlassen.