Geschlechterklischees in der Schule: Warum Mädchen besser sind – aber später zurückfallen
George BenthinEin Junge? - Warum einige Eltern damit hadern - Geschlechterklischees in der Schule: Warum Mädchen besser sind – aber später zurückfallen
Wachsende Forschungsergebnisse zeigen anhaltende Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Schule – sowie tief verwurzelte geschlechtsspezifische Erwartungen von Eltern
Eine zunehmende Zahl von Studien unterstreicht die anhaltenden Unterschiede in den schulischen Leistungen von Jungen und Mädchen sowie die damit verbundenen, tief verankerten geschlechtsspezifischen Erwartungen von Eltern. Zwar übertreffen Mädchen in Deutschland seit den 1990er-Jahren die Jungen bei den Abiturquoten, doch bestehen in höherer Bildung und auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor langjährige Ungleichheiten. Gleichzeitig offenbaren Trends in sozialen Medien anhaltende Frustration – mitunter sogar Enttäuschung –, wenn Kinder traditionellen Geschlechterrollen nicht entsprechen.
Neue Untersuchungen zeigen zudem, dass Jungen und Mädchen mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert sind – von Verhaltensproblemen und psychischen Belastungen bis hin zu ungleichen Bildungschancen und späteren Karrierehindernissen.
Mädchen schneiden in der Schule besser ab – doch im Berufsleben holen sie nicht auf Seit Jahrzehnten überflügeln Mädchen in Deutschland Jungen bei Schulabschlüssen und Lesekompetenz. Sie machen häufiger Abitur, während Jungen nach wie vor einen leichten Vorsprung in Mathematik haben. Trotz dieser schulischen Erfolge sind Frauen in Promotionsprogrammen und Führungspositionen der Wirtschaft jedoch unterrepräsentiert. Expert:innen führen dies auf anhaltende Diskriminierung am Arbeitsplatz, geringere Mentoring-Angebote in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie die ungleiche Verteilung von Pflegeverantwortung zurück, die nach wie vor überwiegend Frauen trifft.
Verhaltensmuster unterscheiden sich deutlich Auch im Verhalten zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei Jungen wird häufiger ADHS diagnostiziert, und sie fallen öfter durch Verhaltensauffälligkeiten in der Schule auf. Mädchen hingegen leiden häufiger unter Depressionen und Angststörungen. Diese Differenzen setzen sich außerhalb des Klassenzimmers fort: Jungen beginnen früher und intensiver mit digitalen Spielen, während Mädchen aktiver in sozialen Medien unterwegs sind – oft beim Anschauen von Make-up-Tutorials.
Eltern prägen mit ihren Erwartungen die Entwicklung Die Erwartungen der Eltern spielen eine entscheidende Rolle. Manche geben offen zu, enttäuscht zu sein, wenn das Geschlecht ihres Kindes nicht ihren Wünschen entspricht – ein Phänomen, das auf Plattformen wie TikTok unter dem Hashtag #GenderDisappointment (etwa: Geschlechter-Enttäuschung) diskutiert wird. Die Geschlechterforscherin Tina Spies kritisiert solche Haltungen scharf: Sie zementierten veraltete Klischees. Mädchen gelten nach wie vor als anpassungsfähiger, fürsorglicher und fleißiger, während Jungen oft als wilder und schulisch weniger erfolgreich wahrgenommen werden.
Folgen für Bildung und Beruf Diese Zuschreibungen haben konkrete Auswirkungen: Mädchen erhalten seltener Empfehlungen für höhere Bildungswege und brechen öfter vorzeitig die Schule ab. Gleichzeitig übernehmen Frauen nach wie vor den Großteil der Familienpflege – wobei die Geburt einer Tochter keineswegs garantiert, dass sich diese später um die eigenen Eltern kümmert.
Zwischen schulischem Erfolg und beruflicher Benachteiligung klafft eine Lücke Während Jungen stärker mit Verhaltensproblemen und psychischen Diagnosen zu kämpfen haben, sehen sich Mädchen in höherer Bildung und Führungspositionen mit Barrieren konfrontiert. Gleichzeitig halten traditionelle Geschlechtererwartungen – sei es in Form elterlicher Enttäuschung oder struktureller Ungleichheit am Arbeitsplatz – an und prägen die Lebenswege weit über die Schulzeit hinaus.