Hitzewellen im Meer: Nord- und Ostsee erwärmen sich dramatisch – was das für uns bedeutet
Hans-Werner HövelHitzewellen im Meer: Nord- und Ostsee erwärmen sich dramatisch – was das für uns bedeutet
Hitzewellen in den Ozeanen
Die Meere erwärmen sich rasant – besonders Nord- und Ostsee. Das zeigt der aktuelle Bericht des Copernicus-Meeresumweltüberwachungsdienstes.
Rekordtemperaturen in den Ozeanen und schrumpfendes Polareis haben die vergangenen zwei Jahre zu einer kritischen Phase für marine Ökosysteme gemacht. Im Frühling 2024 erreichten die Wassertemperaturen an der Meeresoberfläche mit 21 Grad Celsius einen neuen Höchststand, während 2023 und 2024 von weitverbreiteten marinen uno geprägt waren. Diese Veränderungen bedrohen Küstenregionen, Wildtiere und ganze Wirtschaftszweige – von der Muschelzucht bis hin zu von Überschwemmungen bedrohten Gemeinden.
Gleichzeitig gewinnen Bemühungen zum Schutz gefährdeter Gewässer an Fahrt. Das UN-Hochseeabkommen, das den Schutz internationaler Gewässer zum Ziel hat, soll 2026 in Kraft treten, nachdem die erforderlichen 60 Ratifizierungen erreicht wurden.
Die Nordsee hat sich um zwei Grad über ihren langjährigen Durchschnitt erwärmt – ein Trend, der global zu beobachten ist. Die höhere Verdunstung verstärkt Niederschläge und Überschwemmungen an Land. An den Küsten verschärfen der steigende Meeresspiegel – seit 1993 im Schnitt vier Millimeter pro Jahr – Erosion und Sturmfluten. Besonders gefährdet ist das Wattenmeer, ein von der UNESCO geschütztes Gezeitenfeuchtgebiet, dessen empfindliches Gleichgewicht aus Sand, Schlamm und Salzwasser ins Wanken gerät.
Auch in den Polargebieten sind die Verluste dramatisch: Im Winter 2025 bedeckte das arktische Meereis 1,2 Millionen Quadratkilometer weniger als im Durchschnitt, in der Antarktis gingen 0,6 Millionen Quadratkilometer verloren. Dieser Rückgang beschleunigt die globale Erwärmung, da weniger Eis das Sonnenlicht reflektiert und stattdessen Wärme absorbiert wird.
Am 1. Oktober jährt sich der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer zum 40. Mal. Als Lebensraum für Seehunde, Zugvögel und spezialisierte Pflanzen zeigt der Park, wie ungestörte Ökosysteme besser mit Klimastress umgehen können. Expert:innen betonen, dass die Begrenzung von Verschmutzung, industrieller Nutzung und Überfischung die Natur widerstandsfähiger gegen die Erwärmung der Gewässer macht.
Das bevorstehende UN-Abkommen zum Schutz der Hohen See, unterstützt von Aktivist:innen wie Franziska Saalmann von Greenpeace, wird die Einrichtung von Schutzgebieten jenseits nationaler Grenzen ermöglichen. Mit bereits 35 unterzeichnenden Staaten zielt der Vertrag darauf ab, die Artenvielfalt vor Übernutzung und Klimafolgen zu bewahren.
Doch die wirtschaftlichen Folgen sind bereits spürbar: Im Po-Delta in Italien haben sich invasive Blaukrabben – begünstigt durch wärmere Wassertemperaturen – ausgebreitet und Muschelfarmen zerstört, was die Produktion um bis zu 100 Prozent einbrechen ließ. Solche Störungen wirken sich auf lokale Wirtschaftskreisläufe und Nahrungsketten aus.
Das kommende Jahrzehnt wird zeigen, wie gut Politik und natürliche Systeme die Erwärmung der Ozeane abfedern können. Während das UN-Abkommen ab 2026 einen Rahmen für den Schutz der Hohen See bietet, beweisen lokale Initiativen wie im Wattenmeer den Wert von ungestörter Naturschutzpraxis. Für Küstenindustrien und Wildtiere wird entscheidend sein, wie schnell sie sich anpassen – denn davon hängt ab, ob kritische Ökosysteme und die von ihnen abhängigen Existenzgrundlagen überleben können.