15 January 2026, 19:00

„Höchst unangenehm“: Warum Düsseldorfer Museumsgäste ihren Guide lieben

Eine Gruppe von Menschen mit Taschen geht durch ein Museum und bewundert ein gerahmtes Gemälde an der Wand mit Schutzseilen davor.

„Höchst unangenehm“: Warum Düsseldorfer Museumsgäste ihren Guide lieben

Ein Düsseldorfer Museum bietet Besuchern eine Führung der ganz anderen Art. Im Kunstpalast Düsseldorf schimpft ein absichtlich unangenehmer Guide 70 Minuten lang auf die Gäste – und die Aktion ist überraschenderweise ein voller Erfolg. Das Museum wirbt sogar mit dem Slogan „höchst unangenehm“ und verlangt nur 6 Pfund pro Ticket.

Die Idee zum „grantigen Führer“ stammte vom Performance-Künstler Carl Brandi, der die Rolle des Joseph Langelinck übernimmt. Inspiriert vom Trend der „fiesen Kellner“-Restaurants wie Karen’s Diner unterstützt der Museumsdirektor das ungewöhnliche Konzept. Seit dem Start im Mai sind alle Führungen ausverkauft.

Während des Rundgangs rügt Langelinck die Besucher für Kleinigkeiten – etwa wenn sie auf ihr Handy schauen oder sich hinsetzen. Er fuchtelt ihnen mit dem Finger vor der Nase herum und lässt sie sich unwissend fühlen, ohne jedoch direkt zu beleidigen. Manche Gäste amüsieren sich über den provokanten Ansatz, andere beschweren sich an ähnlichen Orten, dass das Personal zu weit gehe. Der Erfolg der Führung kommt zu einer Zeit, in der viele Museen nach neuen Wegen suchen, um Besucher zu begeistern. Interaktive Ausstellungen und immersive Erlebnisse liegen im Trend, doch nur wenige setzen auf eine derart konfrontative Methode.

Das Experiment des Kunstpalast Düsseldorf zeigt: Selbst Feindseligkeit kann Publikum anziehen. Jede der 6-Pfund-Führungen ist ausverkauft – ein Beweis dafür, dass es eine Nachfrage nach ungewöhnlichen Museumserlebnissen gibt. Vorerst bleibt der „grantige Guide“ eine der meistdiskutierten Kulturattraktionen Düsseldorfs.