21 December 2025, 21:26

Kalter Kult seit 1969: Große Segler in zu kleinen Booten

Eine belebte Szene mit zahlreichen Booten, Bannern, Pfählen und Drähten, einer großen Menge hinter einer Absperrung auf der linken Seite und zwei Personen auf einer Brücke über dem Wasser, mit Abteilen um die Boote herum.

Kalter Kult seit 1969: Große Segler in zu kleinen Booten

Kult seit 1969: Große Segler in winzigen Booten

Es geht um den Sieg, den guten Zweck – und einen Pokal, den man zu Hause lieber versteckt. Die „Eisarsch-Regatta“ in Lübeck ist ein Kult-Event.

Jeden Dezember bringt die Eisarsch-Regatta eine skurrile Tradition auf die zugefrorenen Gewässer Lübecks. Seit 1969 messen sich Teilnehmer auf dem Wakenitz-Fluss in Wintermontur – alles für einen spielerischen Zweck. Was einst als interner Scherz im Lübecker Yacht-Club (LYC) begann, ist längst zu einem geliebten Jahres-Highlight geworden.

Die Regatta startete als lockere Scherzbattle unter LYC-Mitgliedern. Mittlerweile ist sie fester Termin am ersten Dezember-Samstag und zieht Segler an, die eher Spaß als Ruhm suchen. Die Rennen werden in Optimist-Jollen ausgetragen – eingepackt in Winterjacken, Neopren oder Trockenanzüge. Wolldecken und Wärmflaschen sind jedoch streng verboten.

Die Regeln sind so ungewöhnlich wie das Event selbst: Die Startgebühr beträgt 35 Cent pro Kilogramm Körpergewicht, wobei der Waagemeister gern mit dem Daumen nachhilft, um die Spendensumme zu erhöhen. Beschwerden über das gemessene Gewicht durchlaufen eine scheinernste Hierarchie – und führen natürlich nirgends hin. Jeder Teilnehmer erhält eine Mini-Flasche Rum, und Schneebrillen sind bei Schneestürmen erlaubt. Der Sieger darf den berüchtigten Eisarsch-Pokal mitnehmen: einen Gipsabdruck eines Hinterteils auf Mahagoni. Trotz aller Albernheit kommt der gute Zweck nicht zu kurz – die Einnahmen fließen in das Jugendsegelprogramm des LYC. Ein ähnliches Event, die Eisbeinregatta, findet seit demselben Jahr auch in Frankfurt (Oder) statt.

Die Eisarsch-Regatta bleibt ein Kult-Event, das Humor mit karitativem Engagement verbindet. Jahr für Jahr versammelt sie Segler zu einem eiskalten, aber herzlichen Rennen – und fördert dabei den Nachwuchs, ohne den spielerischen Geist zu verlieren.