Kalter Kult seit 1969: Große Segler in zu kleinen Booten
Kult seit 1969: Große Segler in winzigen Booten
Es geht um den Sieg, den guten Zweck – und einen Pokal, den man zu Hause lieber versteckt. Die „Eisarsch-Regatta“ in Lübeck ist ein Kult-Event.
Jeden Dezember bringt die Eisarsch-Regatta eine skurrile Tradition auf die zugefrorenen Gewässer Lübecks. Seit 1969 messen sich Teilnehmer auf dem Wakenitz-Fluss in Wintermontur – alles für einen spielerischen Zweck. Was einst als interner Scherz im Lübecker Yacht-Club (LYC) begann, ist längst zu einem geliebten Jahres-Highlight geworden.
Die Regatta startete als lockere Scherzbattle unter LYC-Mitgliedern. Mittlerweile ist sie fester Termin am ersten Dezember-Samstag und zieht Segler an, die eher Spaß als Ruhm suchen. Die Rennen werden in Optimist-Jollen ausgetragen – eingepackt in Winterjacken, Neopren oder Trockenanzüge. Wolldecken und Wärmflaschen sind jedoch streng verboten.
Die Regeln sind so ungewöhnlich wie das Event selbst: Die Startgebühr beträgt 35 Cent pro Kilogramm Körpergewicht, wobei der Waagemeister gern mit dem Daumen nachhilft, um die Spendensumme zu erhöhen. Beschwerden über das gemessene Gewicht durchlaufen eine scheinernste Hierarchie – und führen natürlich nirgends hin. Jeder Teilnehmer erhält eine Mini-Flasche Rum, und Schneebrillen sind bei Schneestürmen erlaubt. Der Sieger darf den berüchtigten Eisarsch-Pokal mitnehmen: einen Gipsabdruck eines Hinterteils auf Mahagoni. Trotz aller Albernheit kommt der gute Zweck nicht zu kurz – die Einnahmen fließen in das Jugendsegelprogramm des LYC. Ein ähnliches Event, die Eisbeinregatta, findet seit demselben Jahr auch in Frankfurt (Oder) statt.
Die Eisarsch-Regatta bleibt ein Kult-Event, das Humor mit karitativem Engagement verbindet. Jahr für Jahr versammelt sie Segler zu einem eiskalten, aber herzlichen Rennen – und fördert dabei den Nachwuchs, ohne den spielerischen Geist zu verlieren.