Kinder aus Förderschulen erobern mit Musiktheater die Bühne in Rheinsberg
Hildegund LachmannKinder aus Förderschulen erobern mit Musiktheater die Bühne in Rheinsberg
Ein farbenfrohes Musiktheaterstück steht derzeit im Mittelpunkt von Rheinsberg – inszeniert von 32 Kindern aus ländlichen Förderschulen. Unter dem Titel „Könige und Königinnen – Ein musikalischer Coup“ ist das Projekt Teil von „Musiktheater 360°“, einer Initiative der Musikakademie Rheinsberg, die zeitgenössische Musik für junge Menschen zugänglich machen will.
Die Aufführung entstand im Rahmen von „Werkstatt Quillo“, einem langjährigen Projekt des Ensembles Quillo, das seit über 20 Jahren moderne Musik in ländliche Regionen bringt. In diesem Jahr lag der Fokus auf sozial benachteiligten Kindern, die ohne Vorkenntnisse an der Entwicklung eines Musiktheaterstücks teilnehmen konnten. Der professionelle Musiker Andreas Völk komponierte eine Ouvertüre und Zwischenspiele, die höfische Klänge mit Tönen aus dem Alltag der Jugendlichen verbanden.
Während einer intensiven Probenwoche im Schloss Rheinsberg entwickelten die jungen Teilnehmer ihre Ideen – mal verspielt, wie bei Fieby und Helene von der Clara-Zetkin-Schule, die sich vorstellten, ihre Stadt mit Koalas und kostenlosem Eis zu regieren. Ihre Kreativität zeigte sich auch auf der Bühne, wo eine Gruppe von Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren mit selbst bemalten „Regenmachern“ auftrat: bunten Stäben, gefüllt mit Kieselsteinen, die das Geräusch von Regen imitierten.
Das Projekt gab auch den Lehrkräften neue Einblicke in ihre Schüler. Eine Pädagogin entdeckte bei einem Mädchen unerwartet zärtliche und verletzliche Züge, eine andere reflektierte über die Vorurteile, mit denen Kinder mit Förderbedarf oft konfrontiert sind. Der Abend gipfelte in einem großen Fest, bei dem die jungen Darsteller selbstbewusst über die Bühne tanzten – ihre entspannte Art stand im Kontrast zur Komplexität der Inszenierung.
Zeitgenössische Musik, oft als anspruchsvoll wahrgenommen, wurde hier partizipativ erlebbar. Das Publikum war aktiv in die Aufführung eingebunden – ein Konzept, das an interaktive Werke von Komponisten wie John Cage oder Karlheinz Stockhausen erinnert.
Die Vorstellung bildete den Abschluss einer einwöchigen kreativen Werkphase und hinterließ bei Teilnehmern wie Betreuern nachhaltige Eindrücke. Das Projekt zeigte, wie Musiktheater junge Menschen unterschiedlicher Herkunft einbinden und ihnen eine Bühne für Selbstausdruck bieten kann. Für die Schüler war es eine Chance, auf eine Weise zu glänzen, wie sie es zuvor nie erlebt hatten.






