Lokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Onlinehändler und Drogerieketten
Hans-Werner HövelLokale Apotheken kämpfen ums Überleben gegen Onlinehändler und Drogerieketten
Deutschlands Apothekenbranche steht am Scheideweg – das warnt zumindest die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) in einer deutlichen Stellungnahme. Vorstandsvorsitzender Matthias Schellenberg appelliert an die Politik, jetzt zu handeln, denn die kommenden politischen Weichenstellungen werden entscheiden, ob lokale Apotheken im wachsenden Wettbewerb mit Onlinehändlern und großen Drogerieketten überleben können. Ohne Gegensteuer drohe dem Land der Verlust seines bewährten Netzes aus vor Ort ansässigen Apotheken, die nicht nur Medikamente bereitstellen, sondern auch fachkundige Beratung bieten.
In den vergangenen drei bis fünf Jahren hat sich der deutsche Apothekenmarkt dramatisch gewandelt. Onlineapotheken verzeichneten einen deutlichen Umsatzanstieg: Ihr Marktanteil stieg von unter 10 Prozent im Jahr 2021 auf voraussichtlich 15 bis 20 Prozent bis 2025. Die Pandemie und die voranschreitende Digitalisierung beschleunigten diesen Trend, während große Handelsketten wie dm und Rossmann ihr Sortiment an apothekenpflichtigen Produkten ausbauten und mittlerweile 25 bis 30 Prozent des Marktes bedienen. Traditionelle stationäre Apotheken, die einst über 80 Prozent des Marktes hielten, kommen laut Branchenberichten der ABDA und GfK nun nur noch auf 55 bis 60 Prozent.
Schellenberg betonte, dass Arzneimittel keine gewöhnlichen Konsumgüter seien. Er warnte davor, sie als solche zu behandeln, und mahnte, dass reine Marktkräfte die Arzneimittelsicherheit und die professionelle Beratung gefährden könnten. Ausländische Onlineanbieter und inländische Handelsriesen verschärften den Wettbewerb und setzten die lokalen Apotheken unter Druck – dabei seien es gerade diese, die durch persönliche Beratung eine unverzichtbare Rolle im Gesundheitswesen spielten.
Der Apobank-Chef forderte, Apotheken als zentralen Bestandteil der Gesundheitsinfrastruktur anzuerkennen. Statt kommerzielle Interessen über die Zukunft des Sektors entscheiden zu lassen, brauche es politische Maßnahmen, die ihre Funktion schützten. Ohne Unterstützung drohe eine weitere Aushöhlung des professionell geführten, flächendeckenden Gesundheitsnetzes in Deutschland.
Schellenbergs Warnungen verdeutlichen die wachsende Spannung zwischen wirtschaftlichen Zwängen und der Patientenversorgung. Should die aktuellen Entwicklungen anhalten, könnten lokale Apotheken zunehmend Schwierigkeiten bekommen, ihre Marktposition zu halten. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, wie die Politik auf die Forderungen nach stärkerem Schutz der Apothekenbranche reagiert.






