Ökonom warnt: Deutschlands starre Gesetze gefährden die wirtschaftliche Zukunft
Hans-Werner HövelÙkonom Schularick zu Renten, China und Kapitalmarktunion - Ökonom warnt: Deutschlands starre Gesetze gefährden die wirtschaftliche Zukunft
Deutschlands alternde Bevölkerung und starre Arbeitsgesetze stehen in der scharfen Kritik eines führenden Ökonomen. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), warnt, dass veraltete Politiken die wirtschaftliche Zukunft des Landes gefährden. Seine Äußerungen fallen mit neuen Zahlen zusammen, die eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung und wachsenden Druck auf das Rentensystem belegen.
Seit 2014 ist die deutsche Bevölkerung rasant gealtert: Die Einwohnerzahl stieg von 81,2 Millionen auf 83,6 Millionen im Jahr 2024, doch die Geburtenrate sank von 1,47 auf 1,35 Kinder pro Frau. Die Nettozuwanderung konnte das Sterbeüberschuss kaum ausgleichen. Mittlerweile sind 9,8 Millionen Menschen zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig – das entspricht 24 Prozent aller Beschäftigten und markiert einen Anstieg gegenüber den Vorjahren. Zwar stieg das durchschnittliche Renteneintrittsalter von 63 auf 64,7 Jahre, doch für Schularick reicht auch das nicht aus.
Er schlägt vor, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln und die Regelung zur Rente mit 63 abzuschaffen. Zudem fordert er die Abschaffung des Kündigungsschutzes für Gutverdiener und plädiert für eine Einkommensgrenze von 70.000 Euro jährlich. Schularicks Argument: Deutschlands strenge Arbeitsgesetze treiben Unternehmen dazu, Forschung und Entwicklung ins Ausland zu verlagern – vor allem nach China.
Doch nicht nur bei den Renten übt er Kritik: Den von der SPD geplanten Gesundheitsfonds hält er für ineffizient. Zudem rät er der Bundesregierung, ihre Blockadehaltung gegenüber einer möglichen Übernahme der Commerzbank durch die italienische UniCredit aufzugeben. Seine grundsätzliche Kritik gilt auch Europa, wo er nationale Eigeninteressen für die Stockungen bei der EU-Kapitalmarktunion verantwortlich macht.
Schularicks Warnungen unterstreichen die tiefgreifenden Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Angesichts niedriger Geburtenraten, einer alternden Belegschaft und steigender Rentenlasten wächst der Druck für grundlegende Reformen. Seine Vorschläge zielen auf mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, eine nachhaltige Rentenpolitik und die Modernisierung des Finanzsektors – Bereiche, in denen er die aktuelle Politik als unzureichend bewertet.






