Wie Misstrauen in die Demokratie die AfD zur Macht verhalf
Deutschlands politische Landschaft hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt: Der Rechtspopulismus gewinnt an Boden. Die AfD, 2013 gegründet, entwickelte sich von einer Randgruppe zu einer prägenden Kraft – zog 2017 in den Bundestag ein und verdoppelte ihre Wählerunterstützung bis zur Bundestagswahl 2025. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani untersucht nun, warum das Misstrauen gegenüber der Demokratie diesen Aufstieg befeuert – und warum traditionelle Gegenstrategien scheitern.
In seinem neuen Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert El-Mafaalani, wie Menschen das Vertrauen in staatliche Institutionen verlieren. Schwindet das Zutrauen in die Politik, so seine These, wenden sich skeptische Bürger einander zu und bilden geschlossene Gruppen. Digitale Medien ermöglichen es ihnen erstmals, sich zu vernetzen – und verstärken so ihre Ablehnung gegenüber der etablierten Politik.
Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" unterstützen häufig Parteien, die sich gegen die liberale Demokratie stellen. El-Mafaalani erklärt damit den Zulauf für Figuren wie Donald Trump in den USA oder die AfD in Deutschland. Selbst wenn Populisten ihre Versprechen nicht einlösen, bleiben ihre Anhänger ihnen treu – nicht aus Überzeugung, sondern weil sie allen Alternativen misstrauen.
Der Aufstieg der AfD veranschaulicht diesen Trend: Nach ihrer Gründung 2013 gewann die Partei kontinuierlich an Einfluss und erreichte 2025 mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin einen Höhepunkt. Bis 2026 stellten Beobachter fest, dass traditionelle Parteien wie die CDU kaum noch Gegenwehr leisten konnten. Versuche, die AfD zu dämonisieren, schlugen nach hinten los, während interne Debatten über Konservatismus in der Union zeigten, wie tief rechtspopulistische und autoritäre Ideen bereits verankert sind.
El-Mafaalani warnt: Allein die Entlarvung der AfD als unfähig werde das Vertrauen in die Demokratie nicht zurückbringen. Stattdessen brauche es wirksamere Strategien, um das zugrundeliegende Misstrauen zu bekämpfen – den eigentlichen Nährboden des Populismus.
Das Wachstum der AfD spiegelt eine tiefere Krise wider: den schwindenden Glauben an demokratische Institutionen. El-Mafaalani zeigt, wie Misstrauen, einmal entstanden, politische Gräben vertieft. Seine Analysen weisen nun den Weg zu neuen Ansätzen gegen den Populismus – jenseits überholter Taktiken, die längst ihre Wirkung verloren haben.






