18 March 2026, 01:02

Zugbegleiter leiden unter wachsender Gewalt – acht Angriffe pro Tag

Eine Gruppe von Polizisten in Uniform steht vor einer Menge von Menschen in schwarzen Uniformen und Masken, mit einer Brücke und einem Gebäude im Hintergrund, während einer Demonstration in einer Stadt.

Zugbegleiter leiden unter wachsender Gewalt – acht Angriffe pro Tag

Zugbegleiter in Deutschland sehen sich zunehmend Bedrohungen und Gewalt während ihres Dienstes ausgesetzt. Allein im vergangenen Jahr wurden über 3.000 Angriffe registriert – im Schnitt acht Vorfälle pro Tag. Die Ermordung ihres Kollegen Serkan C. zu Beginn dieses Jahres hat bei vielen die Gefühle von Angst vor ähnlichen Übergriffen geschürt.

Seit dem tödlichen Angriff hat sich die Lage in den Zügen dramatisch zugespitzt. Fahrgäste nehmen die Veränderung wahr und zeigen oft Verständnis für das Personal, das unter ständiger Anspannung arbeitet. Noch vor einem Jahrzehnt waren solche Vorfälle weit seltener, die Zahlen lagen damals bei weniger als der Hälfte der heutigen Werte.

Die meisten Übergriffe ereignen sich nachts, wenn die Züge weniger voll sind und sich die Mitarbeiter:innen besonders verletzlich fühlen. Zugbegleiter wie Jalal Youssef und Nicole Arnold haben im Laufe der Zeit eine deutliche Veränderung im Verhalten der Fahrgäste beobachtet: Der Respekt vor Uniformen ist gesunken, während Aggressionen häufiger geworden sind.

Arnold trägt mittlerweile bei jeder Schicht eine Körperkamera, um potenzielle Angreifer abzuschrecken und Vorfälle zu dokumentieren. Das Gerät gibt ihr ein gewisses Maß an Sicherheit – doch die Bedrohung bleibt. Youssef, ein syrischer Geflüchteter, empfindet den Beruf trotz der Risiken und des Verlusts seines Kollegen weiterhin als erfüllend. Beide fordern besseren Schutz, mehr Personal und moderne Technologie, um die Sicherheit der Beschäftigten zu gewährleisten.

Das Problem beschränkt sich nicht auf Einzelschicksale. Zwar liegen für das Jahr 2022 keine genauen Zahlen vor, doch spätere Daten zeigen einen besorgniserregenden Trend – insbesondere im Regionalverkehr. Allein in Nordostdeutschland wurden beispielsweise 2025 insgesamt 111 körperliche Angriffe gemeldet. Auch Fahrgäste nehmen die steigende Spannung wahr und machen dafür oft Stress, Überfüllung und mangelnde Kontrollen verantwortlich.

Der Anstieg der Gewalt zwingt Bahnmitarbeiter:innen zur Anpassung, doch viele fühlen sich nach wie vor schutzlos ausgeliefert. Die Forderungen nach mehr Sicherheit – von Körperkameras bis hin zu zusätzlichem Personal – bleiben bestehen. Ohne weitere Maßnahmen wird sich an den Risiken, denen sie im Berufsalltag ausgesetzt sind, kaum etwas ändern.

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AKTUALISIERUNG

Sicherheitsgipfel und Mitarbeiterumfrage enthüllen verschärfende Krise

Der Bahn-Sicherheitsgipfel hat nach der Ermordung des Zugbegleiters Serkan C. im Februar durch einen 26-jährigen griechischen Verdächtigen konkrete Maßnahmen angekündigt. Wichtige Schritte sind Bodycams für alle kundenorientierten Mitarbeiter, 200 zusätzliche Sicherheitskräfte und Notfallknöpfe. Allerdings ergab eine EVG-Umfrage, dass sich zwei Drittel des Zugpersonals immer unsicherer fühlen, wobei 33 % in Betracht ziehen, ihren Job zu kündigen. Die Hälfte der Befragten hat körperliche Übergriffe erlebt, und 91 % der Busfahrer fordern Videoüberwachung.