01 January 2026, 06:57

Altersarmut in Deutschland bricht 2024 alle Rekorde – besonders Frauen betroffen

Eine animierte Abbildung mehrerer Frauen, die nebeneinander stehen und ähnlich aussehen, mit Flackern auf ihren Gesichtern und Zahlen von 04 bis 08 und 19 darauf.

3,7 Millionen Rentner in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen - Altersarmut in Deutschland bricht 2024 alle Rekorde – besonders Frauen betroffen

Altersarmut in Deutschland erreicht Rekordniveau

In Deutschland hat die Altersarmut 2024 einen neuen Höchststand erreicht: 3,7 Millionen Rentnerinnen und Rentner sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen – so viele wie nie zuvor seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen. Expertinnen und Experten warnen, dass sich die Lage weiter verschärft, insbesondere für Frauen und Geringverdiener im Ruhestand.

Zwischen 2022 und 2024 stieg die Zahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Rentner um 328.000 – ein Anstieg um 9,6 Prozent. Besonders betroffen sind Frauen: 184.000 von ihnen rutschten zusätzlich in die Armut ab, bei den Männern waren es 144.000. 2024 lebten 23,1 Prozent der Rentnerinnen in prekären finanziellen Verhältnissen, während der Anteil bei den Männern bei 18,7 Prozent lag.

Nach EU-Standards gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn ihr Einkommen unter 60 Prozent des nationalen Median liegt. Der Gesamtanteil der gefährdeten Rentner stieg von 19,8 Prozent im Jahr 2022 auf 21,2 Prozent im Jahr 2024. Soziale Ausgrenzung wird unter anderem durch schwere Entbehrungen oder ein Leben in Haushalten mit sehr geringer Erwerbstätigkeit definiert. Fabio De Masi, Vorsitzender des Bundesverbandes der Senioren-Organisationen (BSW), bezeichnete die Altersarmut als ‚Deutschlands größten sozialen Zündstoff‘. Er kritisierte, dass ältere Menschen in Debatten über Sparmaßnahmen besonders ins Visier genommen würden, und verwies darauf, dass das deutsche Rentensystem zu den schlechtesten in Europa zählt. Die Rentenhöhe liege etwa zehn Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt.

2024 leitete Dr. Gabriele Weitzmann die Bundesfamilienministerkonferenz und war als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) für Familien- und Jugendpolitik zuständig. Ihre Arbeit unterstrich die anhaltenden Sorgen über Versorgungslücken, die ältere Generationen besonders hart treffen.

Die Daten belegen einen drastischen Anstieg der Rentnerarmut, wobei Frauen überproportional betroffen sind. Mit der wachsenden Zahl gefährdeter Senioren steigt der Druck auf die Politik, die strukturellen Mängel im deutschen Rentensystem zu beheben. Die Bewältigung dieser Herausforderung bleibt eine zentrale Aufgabe für die Sozialpolitik der Zukunft.