12 April 2026, 06:20

Ausgebeutet und rechtlos: Das harte Los der Saisonarbeiter in Deutschland

Plakat mit einem britischen Granitarbeiter vor einem Berg- und Baumhintergrund, das die Unterstützung fairer Löhne betont, aber die Notwendigkeit von Arbeit hervorhebt.

Ausgebeutet und rechtlos: Das harte Los der Saisonarbeiter in Deutschland

Saisonarbeiter in der deutschen Landwirtschaft sehen sich weiterhin harten Bedingungen ausgesetzt – mit Berichten über extreme Arbeitszeiten und illegale Lohnabzüge. Trotz neuer Tarifvereinbarungen und EU-Reformen bleibt ein Großteil der Beschäftigten ungeschützt, während Ausbeutung im Agrarsektor an der Tagesordnung ist.

2023 waren rund 243.000 Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Untersuchungen deckten Fälle auf, in denen Arbeitnehmern bis zu 1.000 Euro illegal vom Lohn abgezogen wurden. Einige mussten bis zu 70 Stunden pro Woche arbeiten und lebten in beengtem, überteuertem Wohnraum – etwa in einem 15 Quadratmeter großen Frachtcontainer in Hessen, für den über 2.000 Euro Miete im Monat verlangt wurden.

Die Bundesregierung hat kürzlich die befristeten, sozialabgabenfreien Verträge von 70 auf 90 Tage pro Jahr verlängert. Diese Änderung lässt Arbeiter ohne ausreichenden Schutz zurück und erhöht das Unfallrisiko. Eine neue Tarifvereinbarung sieht zwar eine Lohnerhöhung von 10 Prozent über 33 Monate für Festangestellte vor – ungelernte Saisonarbeiter profitieren davon jedoch erst nach vier Monaten.

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Die Durchsetzung von Arbeitsgesetzen hat deutlich nachgelassen: Betriebsprüfungen in der Landwirtschaft sanken von fast 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024, sodass der Mindestlohn kaum kontrolliert wird. Gleichzeitig fordert der Deutsche Bauernverband eine 20-prozentige Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte – unterstützt von der rechtspopulistischen AfD und der christdemokratischen CDU.

Die reformierte Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU könnte die Ausbeutung eindämmen, indem sie Subventionen für Betriebe kürzt, die gegen Arbeitsrechte verstoßen. Experten betonen, dass zwar nicht alle Höfe gegen Gesetze verstoßen, die dokumentierten Missstände jedoch auf ein tiefgreifendes, strukturelles Problem in der Branche hinweisen.

Die Kombination aus lascher Kontrolle, ausgeweiteten ungeschützten Verträgen und dem Branchen Druck auf Lohnkürzungen macht Saisonarbeiter besonders verletzlich. Ohne strengere Aufsicht und härtere Strafen wird sich die Ausbeutung in der deutschen Landwirtschaft voraussichtlich nicht bald bessern.

Quelle