Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Kulturstreit um ukrainische Identität
Hildegund LachmannBulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut – Kulturstreit um ukrainische Identität
Ein Denkmal für den Schriftsteller Michail Bulgakow in Kiew wurde am 4. Juni nach einem Beschluss des Stadtrats entfernt. Die Maßnahme spaltet die Meinungen: Manche sehen darin einen Schritt zur Entkolonialisierung, andere verteidigen Bulgakow als wichtigen Teil des kulturellen Erbes der Stadt. Die ukrainische Schachspielerin Olga Popadjuk hat sich gegen den Abbau ausgesprochen und ihn als „sinnlos“ bezeichnet.
Der Stadtrat von Kiew hatte die Entfernung im Rahmen einer breiter angelegten Initiative angeordnet, bei der Objekte abgebaut werden, die mit Kulturschaffenden in Verbindung stehen, die als Symbole der russischen Imperialpolitik gelten. Bulgakow, der zwar 1891 in Kiew geboren wurde, verbrachte den Großteil seiner Karriere in Russland, wo seine Werke – wie Der Meister und Margarita – zu literarischen Klassikern wurden.
Popadjuk, die Der Meister und Margarita mit 14 Jahren zum ersten Mal las, argumentiert, dass Bulgakows Schriften die wahren Folgen der sowjetischen Verwüstung einfingen. Sie zitierte seinen berühmten Satz: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Die Schachspielerin verwies zudem auf seine Bindung zur Ukraine und erinnerte an seine frühe Tätigkeit als Arzt im Land.
Befürworter der Entfernung sehen darin einen Teil der ukrainischen Bestrebungen, sich von russischem kulturellen Einfluss zu distanzieren. Kritiker hingegen betrachten Bulgakow als einen „Sohn der Stadt“, dessen Vermächtnis zu Kiews Geschichte gehört und nicht allein Russland zuzuschreiben ist.
Die Debatte um das Denkmal spiegelt die größeren Spannungen wider, die in der Ukraine über das kulturelle Gedächtnis herrschen. Popadjuks Kritik reiht sich ein in die Stimmen, die infrage stellen, ob das Beseitigen solcher Wahrzeichen die beabsichtigten Ziele erreicht. Vorerst ist die Statue verschwunden – doch die Diskussionen über ihre Bedeutung gehen weiter.







