Deutsche Industrie baut 340.000 Jobs ab – und setzt auf Auslandsmärkte wie China und Indien
Hildegund LachmannDeutsche Industrie baut 340.000 Jobs ab – und setzt auf Auslandsmärkte wie China und Indien
Die deutsche Industrie steht vor erheblichen Herausforderungen: Die Arbeitsplatzverluste nehmen zu, und immer mehr Unternehmen verlagern ihren Fokus ins Ausland. Seit 2019 hat der Sektor über 340.000 Stellen abgebaut, und für 2026 sind weitere Kürzungen angekündigt. Viele Konzerne setzen mittlerweile auf Expansion in Märkten wie Indien und China statt auf heimisches Wachstum.
Bis Ende März 2026 gingen in der deutschen Industrie 127.300 Jobs verloren – ein Rückgang um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein der Chemiekonzern Evonik plant, weitere 3.200 Stellen zu streichen, größtenteils in Deutschland. Insgesamt ist seit 2019 jede siebzehnte Stelle in der Branche weggefallen.
Hohe Lohnkosten, die 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen und mehr als doppelt so hoch sind wie in Asien oder Osteuropa, treiben Unternehmen zur Verlagerung ins Ausland. Teure Energie und bürokratische Hürden verschärfen den Druck. Störungen in den Lieferketten bleiben das größte betriebliche Risiko und drängen die Firmen zu einer „lokal für lokal“-Strategie.
Fast jedes befragte Industrieunternehmen plant bis 2030 eine Expansion in Indien und peilt ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 4 Prozent an. Rund 40 Prozent der Investitionsbudgets fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vor allem in die Instandhaltung bestehender Standorte und Automatisierung. Nur 16 Prozent der Unternehmen wollen in Deutschland neue Mitarbeiter einstellen – die Aussichten für Westeuropa sind ähnlich.
Viele verlagern auch Forschung und Entwicklung näher an die wichtigsten Absatzmärkte. Fast die Hälfte der Betriebe will ihre F&E-Aktivitäten im Ausland ausbauen, einige entwickeln bereits neue Produkte in China, um die lokale Nachfrage besser zu bedienen.
Die strategische Neuausrichtung ist deutlich: Deutsche Unternehmen investieren stärker in internationale Märkte, während sie ihre heimischen Aktivitäten zurückfahren. Mit Jobwachstum ist in Deutschland kaum zu rechnen – stattdessen stehen Automatisierung und Instandhaltung im Vordergrund, nicht die Neueinstellung von Personal. Der Trend spiegelt den wachsenden wirtschaftlichen Druck und den Fokus auf globale Wettbewerbsfähigkeit wider.
