EMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismusvorwürfen gegen Künstlerin
George BenthinEMAF zeigt umstrittenen Film trotz Antisemitismusvorwürfen gegen Künstlerin
Das European Media Art Festival (EMAF) in Osnabrück hält trotz Antisemitismusvorwürfen an seinen Plänen fest, einen Kurzfilm der palästinensischen Künstlerin Reem Al-Sharif zu zeigen. Die Entscheidung hat eine Debatte unter lokalen Politikern ausgelöst: Während einige die künstlerische Freiheit des Festivals verteidigen, warnen andere vor möglichen Risiken.
Al-Sharifs Werk "Morning Circle" bleibt weiterhin im Programm, auch wenn sich Stadtvertreter und regionale Führungskräfte von der Auswahl distanzieren. Die Kontroverse bezieht sich weniger auf den Film selbst als vielmehr auf ihre früheren Aktivitäten in sozialen Medien und angebliche Verbindungen zur BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen).
Der Vorstand des Festivals unterstützt Al-Sharifs Filme seit Langem und rechtfertigt die Entscheidung mit ihrem künstlerischen Beitrag. Das diesjährige Motto "An Incomplete Assembly" setze sich bewusst mit Fragen von Freiheit und Verantwortung in der Kunst auseinander, argumentieren die Veranstalter. Das EMAF habe in der Vergangenheit sowohl palästinensische als auch israelische Perspektiven gezeigt und verstehe sein Programm als inklusiv.
Kritik kommt aus verschiedenen Richtungen. Wolfgang Beckermann, Kulturdezernent der Stadt Osnabrück, erklärte, er hätte es vorgezogen, Al-Sharifs Werk auszuschließen, um Antisemitismus nicht zu fördern. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und die Stadtverwaltung distanzieren sich von der Vorführung. Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken, entgegnete hingegen, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung keine Lösung für den Nahostkonflikt darstelle.
Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht auf den Film. Al-Sharif steht wegen eines Halloween-Fotos aus dem Jahr 2022 in der Kritik, auf dem ihr Kostüm – ein rotes Dreieck – von manchen als problematisches Symbol interpretiert wurde. Noch stärker in den Fokus geraten sind jedoch ihre Social-Media-Beiträge und ihre wahrgenommene Unterstützung für BDS, eine Bewegung, die in Österreich seit 2023 verboten ist und in akademischen wie politischen Kreisen heftig diskutiert wird. Während Befürworter BDS als gewaltfreie Kampagne für palästinensische Rechte verteidigen, stufen Kritiker sie als antisemitisch und als Bedrohung für die Legitimität Israels ein.
Die 2005 gegründete BDS-Bewegung hat vor allem in progressiven Kreisen, insbesondere an Universitäten, an Einfluss gewonnen, bleibt aber hochgradig polarisierend. Regierungen und digitale Plattformen gehen zunehmend gegen ihre Aktivitäten vor und stufen sie als politische Agitation statt als freie Meinungsäußerung ein.
Das Festival wird die Vorführung wie geplant durchführen – die Stadt bleibt gespalten. Während die EMAF-Leitung zu ihrer Entscheidung steht, haben lokale Behörden klar gemacht, dass sie diese nicht unterstützen. Die Debatte zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit, politischer Äußerung und den Grenzen des akzeptablen Diskurses in kulturellen Einrichtungen auf.






