Europas Opernhäuser tauschen Kunst gegen Lifestyle und Sponsoren
Europas große Opernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf Kunst
Führende Opernhäuser in ganz Europa verlagern ihre Instagram-Strategien zunehmend auf Lifestyle-Inhalte – weg von der Kunst selbst. Statt Musik und Aufführungen in den Vordergrund zu stellen, werden nun Getränke, gesellschaftliche Events und Sponsorenpartnerschaften beworben. Dieser Wandel spiegelt einen größeren Trend wider: die Vermarktung klassischer Künste an ein modernes Publikum.
Das Staatsoper Berlin nutzt seinen Account häufig, um Sponsoren zu bedienen – allen voran BMW, das in den Posts prominent platziert wird. Ein Mitarbeiter begrüßt die Zuschauer sogar von verschiedenen BMW-Motorrädern aus. Die Oper selbst wird dagegen als verstaubt inszeniert, etwa wenn der Schauspieler Bülent Ceylan, der neue Bassa in Die Entführung aus dem Serail, das Werk mit einem „geilen“ Image für jüngere Zielgruppen aufwertet.
Die Bayerische Staatsoper geht einen anderen Weg und stellt die Musik in den Mittelpunkt. Hier drehen sich die Beiträge um Wagner, das Orchester und philosophische Themen, die mit den Aufführungen verknüpft sind – ein deutlicher Kontrast zu den Strategien anderer Häuser.
Die Wiener Staatsoper setzt auf junge Moderatoren, die das Publikum entweder wie Unwissende behandeln oder Oper als kulinarisches Erlebnis vermarkten. Die Kunstform wird oft als Wohlfühlort präsentiert, bei dem in den Pausen Drinks serviert werden, um von der Reflexion abzulenken. Ähnlich verhält es sich beim Festspielhaus Baden-Baden, das mit „Klassik und Spritz“, „Sundownern“ und einem „DJ auf der After-Show-Terrasse“ wirbt.
Junge Influencer wie Opera Bert sind in diesen Accounts regelmäßig zu sehen. Sie propagieren Dresscodes, Drinks und „Überlebenstipps“ für den Opernbesuch – und lenken damit noch weiter von der Musik ab.
Die neue Marketingausrichtung bedeutet: Opernhäuser priorisieren Lifestyle und Sponsoring über künstlerische Tiefe. Dem Publikum werden zunehmend die gesellschaftlichen und kommerziellen Aspekte eines Besuches vermittelt. Doch dieser Ansatz birgt die Gefahr, dass die Musik und die kulturelle Bedeutung der Oper – ihr traditioneller Kern – in den Hintergrund geraten.
