FDP-Streit eskaliert: Generalsekretär gibt Interview bei Junger Freiheit – und löst Empörung aus
Hans-Werner HövelFDP-Streit eskaliert: Generalsekretär gibt Interview bei Junger Freiheit – und löst Empörung aus
In der Freien Demokratischen Partei (FDP) ist eine Debatte entbrannt, ausgelöst durch ein Interview, das ihr Generalsekretär einem rechtsextremen Medium gegeben hat. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige FDP-Justizministerin, kritisierte Martin Hagen öffentlich für sein Gespräch mit der Jungen Freiheit. Der Streit legt tiefe Gräben innerhalb der Partei offen, insbesondere in der Frage, wie mit umstrittenen Medien umzugehen ist.
Leutheusser-Schnarrenberger, eine prägende Figur des linksliberalen FDP-Flügels, argumentiert, dass der Dialog mit der Jungen Freiheit die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) salonfähig mache. Sie schließt jede Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus und bezeichnet diese als eine von ethnonationalistischen und antiwestlichen Ideologen dominierte Partei, die für die FDP kein möglicher Partner sei.
Hagen verteidigte sein Vorgehen mit der Begründung, die Junge Freiheit vertrete zwar klar rechtskonservative Positionen, sei aber weder unseriös noch verfassungsfeindlich. Zudem warnte er, die Gesellschaft habe „verlernt, miteinander zu streiten“, und betonte, dass der Verlust konstruktiver Auseinandersetzung eine Gefahr für die Demokratie darstelle.
Die Kontroverse hat weitere Kreise gezogen: Die ehemalige Staatssekretärin und Philosophin Sabine Döring sagte ihre Teilnahme an einer Podiumsdiskussion der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung ab – als Protest gegen die Wahl des Veranstaltungsformats. Unterdessen unterstützte FDP-Vorstandsmitglied Susanne Seehofer Hagen und unterstrich die Bedeutung, sich auch außerhalb politischer Echokammern auszutauschen. Kritiker wie der Spiegel werfen der FDP vor, mit dem Interview eine „journalistische Brandmauer“ durchbrochen zu haben.
Der Konflikt spiegelt die innerparteilichen Spannungen der FDP wider, insbesondere in der Abgrenzung zu rechtsextremen Medien und Politik. Während Leutheusser-Schnarrenbergers Kritik und Dörings Rückzug Widerstand gegen eine Normalisierung solcher Plattformen signalisieren, deuten Hagens Verteidigung und Seehofers Unterstützung auf einen Flügel hin, der bereit ist, sich auch mit umstrittenen Stimmen auseinanderzusetzen.
