Flensburgs Frauen verlieren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen – und die Politik streitet
Streit um Abtreibungen im Flensburg-Gebiet - Flensburgs Frauen verlieren Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen – und die Politik streitet
In Schleswig-Holstein ist ein politischer Streit über den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in Flensburg entbrannt. Ab diesem Sonntag wird das Diako-Krankenhaus den Eingriff drastisch einschränken, nachdem es von dem katholischen Malteserorden übernommen wurde. Die Entscheidung lässt Frauen in der Region mit weniger Optionen zurück und zwingt viele, für eine Behandlung nach Rendsburg oder noch weiter zu reisen.
Die Änderung im Diako-Krankenhaus bedeutet, dass Abbrüche künftig nur noch in seltenen, medizinisch begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden. Dies folgt auf die Übernahme des Krankenhauses durch den Malteserorden, der den Eingriff aus religiösen Gründen ablehnt. Die Entscheidung hat Kritik ausgelöst, da auch das andere große Flensburger Krankenhaus, das Förde-Klinikum, Ende 2025 nach der Übernahme durch eine katholische Trägerschaft keine Abbrüche mehr anbieten wird.
Oppositionsparteien fordern nun Konsequenzen. SPD, FDP und SSW drängen die Landesregierung, die ausreichende Versorgung mit Schwangerschaftsabbrüchen in Flensburg zu garantieren. Der SSW-Fraktionsvorsitzende Christian Dirschauer wies auf das Fehlen ambulanter Alternativen hin, während der ehemalige Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ein Eingreifen des Landes forderte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Catharina Nies, kritisierte die uneinheitlichen Reaktionen der Koalition und warf vor, dass der Zugang von Frauen zu medizinischer Versorgung beeinträchtigt werde.
Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) behauptete, die Lage sei unter Kontrolle, und verwies darauf, dass 98 Prozent der Abbrüche im Land bereits ambulant durchgeführt würden. Doch Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken (CDU) steht in der Kritik, weil sie die wachsende Versorgungslücke in den Krankenhäusern nicht angeht. Exakte Zahlen, wie viele Frauen in Schleswig-Holstein 2024 auf stationäre Abbrüche angewiesen waren, gibt es nicht – doch mit der Schließung der Angebote in Flensburg bleiben vor Ort keine Alternativen mehr.
Die Debatte im Landtag dauert an, während Frauen in Flensburg nun weitere Wege für einen Schwangerschaftsabbruch in Kauf nehmen müssen. Da das Diako-Krankenhaus die Eingriffe einschränkt und keine Ersatzangebote geschaffen wurden, wächst der Druck auf die Landesregierung, eine Lösung zu finden. Das Problem bleibt ungelöst – ein konkreter Plan zur Wiederherstellung des lokalen Zugangs fehlt.
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