22 December 2025, 08:45

Gewerkschaft appelliert an 5.040 Unternehmen in Halle, sich gegen sexualisierte Gewalt zu stellen

Ein Magazin-Cover mit einer Frau und Wasserzeichen unten.

Gewerkschaft appelliert an 5.040 Unternehmen in Halle, sich gegen sexualisierte Gewalt zu stellen

Gewerkschaft ruft 5.040 Unternehmen in Halle zum Einsatz gegen sexualisierte Gewalt auf

Gewerkschaft ruft 5.040 Unternehmen in Halle zum Einsatz gegen sexualisierte Gewalt auf

  1. November 2025

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bleibt in Halle ein weit verbreitetes, aber oft vernachlässigtes Problem. Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass in der Stadt kein einziges Unternehmen spezifische Maßnahmen zur Verhinderung solcher Vorfälle umgesetzt hat. Betroffen sind über 112.400 Beschäftigte in 5.040 Betrieben – besonders Frauen tragen die Hauptlast der Übergriffe.

Bundesweit war bereits jede fünfte beschäftigte Person von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen. In Halle sind 54 Prozent der Betroffenen Frauen. Die Täter sind dabei nicht nur Kollegen, sondern auch Kunden, was die Unternehmen vor eine anhaltende Herausforderung stellt.

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Arbeitgeber in Deutschland rechtlich verpflichtet, Beschwerdeverfahren und Präventionsstrategien einzurichten. Dennoch handeln viele Unternehmen nicht. Die IAB-Studie ergab, dass in Halle kein Betrieb Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt in Arbeitsverhältnissen ergriffen hat.

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) bietet zwar Schulungen zum Schutz vor Diskriminierung, Belästigung und Gewalt an – diese basieren jedoch auf internen Richtlinien und nicht auf den IAB-Erkenntnissen. Die Gewerkschaft NGG unterstützt zudem die UN-Kampagne Orange the World, die sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzt.

Die Folgen der Untätigkeit sind deutlich: Sexuelle Belästigung führt zu sinkender Motivation, höheren Krankheitsständen und geringerer Produktivität. Dennoch unterschätzen viele Arbeitgeber weiterhin das Ausmaß der Schäden. In den vergangenen zwei Jahren meldeten 13 Prozent der Unternehmen mindestens einen Vorfall sexualisierter Fehlverhalten.

Das Fehlen präventiver Maßnahmen in Halle zeigt eine Lücke zwischen gesetzlichen Vorgaben und tatsächlichem Handeln. Angesichts der Tausenden betroffenen Beschäftigten wird der Bedarf an stärkeren Arbeitsschutzmaßnahmen immer offensichtlicher. Ohne Veränderungen werden die wirtschaftlichen und persönlichen Kosten sexualisierter Gewalt weiter steigen.