Grüne und CDU ringen nach Patt-Wahl um Koalition in Baden-Württemberg
Hildegund LachmannSkandal-Post vor Wahl - Fischer bittet Hagel um Vergebung - Grüne und CDU ringen nach Patt-Wahl um Koalition in Baden-Württemberg
Grüne und CDU in Baden-Württemberg bereiten Sondierungsgespräche nach knapper Landtagswahl vor
Nach einer äußerst knapp ausgegangenen Landtagswahl bereiten sich die Grünen und die CDU in Baden-Württemberg auf mögliche Koalitionsverhandlungen vor. Beide Parteien errangen jeweils 56 Sitze, was zu einem seltenen Patt im neuen Landtag führt. Der Schritt folgt auf wochenlange Spannungen, darunter eine öffentliche Entschuldigung einer Grünen-Politikerin wegen eines umstrittenen Social-Media-Beitrags.
Der Streit hatte Ende Februar 2026 begonnen, als die Grünen-Abgeordnete Simone Fischer einen Beitrag teilte, der sich gegen den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel richtete. Der Post zeigte ein Foto Hagels mit der Schlagzeile "Offizielle Verwarnung" und dem Text "Versteckt eure Kinder". Bezogen wurde sich dabei auf ein acht Jahre altes Video, in dem Hagel bewundernde Bemerkungen über das Aussehen einer minderjährigen Schülerin gemacht hatte.
Das Video tauchte während des Wahlkampfs wieder auf und löste breite Kritik aus. Kommentator:innen wie Karin Christmann vom Tagesspiegel argumentierten, dass solche Äußerungen – unabhängig von ihrem Alter – Hagels Urteilsvermögen in schlechtem Licht erscheinen ließen. Bis zum 1. März hatte Hagel sich öffentlich entschuldigt, seine früheren Aussagen als "Unsinn" bezeichnet und tiefes Bedauern geäußert. Auch seine Frau verteidigte ihn öffentlich und wies die Vorwürfe als ungerechtfertigt zurück.
Trotz der Kontroverse zeigte sich Hagel siegessicher. Doch bei der Wahl am 8. März setzten sich die Grünen mit 30,2 Prozent der Stimmen knapp gegen die CDU (29,7 Prozent) durch. Das Ergebnis bescherte beiden Parteien die gleiche Sitzzahl und zwang sie, über eine Zusammenarbeit nachzudenken.
Fischer entschuldigte sich später bei Hagel für die Veröffentlichung des Beitrags und bezeichnete dies als Fehler. Politische Beobachter:innen werten ihre Entschuldigung inzwischen als Geste, um vor den offiziellen Sondierungsgesprächen die Stimmung zu entspannen. Die Grünen haben die CDU inzwischen zu Gesprächen über eine gemeinsame Regierungsbildung eingeladen.
Nun müssen die beiden Parteien den pattbesetzten Landtag steuern und gleichzeitig die nachwirkenden Spannungen aus dem Wahlkampf bewältigen. Die Koalitionsverhandlungen werden zeigen, ob sie alte Konflikte beilegen und sich auf eine gemeinsame Agendaigen können. Das Ergebnis wird die Politik Baden-Württembergs in der kommenden Legislaturperiode prägen.






