20 December 2025, 00:01

Handwerk stirbt aus: Unersetzliches Wissen geht verloren

Mehrere Paar Schuhe sind ordentlich auf Regalen angeordnet.

Handwerk stirbt aus: Unersetzliches Wissen geht verloren

Handwerk stirbt aus: Unersetzliches Wissen geht verloren

Teaser: Vom Schuhmacher bis zum Schneider – viele Handwerksberufe finden keine Nachfolger. Warum das ein Problem für die Nachhaltigkeit ist.

Veröffentlichungsdatum: 23. September 2025, 08:00 Uhr MESZ

Traditionelle Handwerksberufe in Deutschland kämpfen um Nachwuchs. Viele Gewerke – von der Schuhmacherei bis zur Schneiderei – verzeichnen trotz ihrer Bedeutung für Nachhaltigkeit und regionale Wirtschaft massive Nachwuchsprobleme. Der Rückgang zwingt Betriebe dazu, verzweifelt nach Auszubildenden zu suchen; in manchen Regionen bleiben Hunderte Lehrstellen unbesetzt.

Allein in Schleswig-Holstein blieben kürzlich rund 1.300 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt. Die Lage ist so angespannt, dass Unternehmen aktiv auf potenzielle Bewerber zugehen, statt auf Initiativbewerbungen zu warten. Besonders deutlich zeigt sich der Trend in der norddeutschen Schuhmacherbranche: Die Zahl der Werkstätten sank hier von etwa 70 in den 1980er-Jahren auf heute nur noch 30 – und in diesem Jahr gab es keine einzigen neuen Auszubildenden.

Experten nennen mehrere Gründe für den Niedergang. Der Wegfall der Meisterpflicht, die hohen Ausbildungskosten und die Konkurrenz durch billige Importware schrecken junge Menschen ab. Selbst angesehene Berufe wie der Schuhmacher, die bei wohlhabenden Kunden nach wie vor Prestige genießen, finden kaum noch Interesse. Gegensteuern ist jedoch möglich. Einige Handwerkskammern, etwa in Saarland und Schwaben, setzen auf schulnahe Werbekampagnen, Werkzeugzuschüsse und Berufsinfotage, um die Attraktivität der Handwerksberufe zu steigern. Diese Maßnahmen fördern auch die duale Ausbildung, doch die bundesweiten Zahlen zeigen für 2025 einen Rückgang der neuen Ausbildungsverträge um 2,1 Prozent auf 476.000. Die Entwicklung verläuft uneinheitlich: Während einige Regionen Zuwächse verzeichnen, stagnieren oder verschlechtern sich andere.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks betont zwar die Krisenfestigkeit des Sektors – etwa gegenüber Wirtschaftskrisen oder der begrenzten Bedrohung durch KI – und hebt die Chancen auf Selbstständigkeit als entscheidenden Pluspunkt für junge Berufseinsteiger hervor. Doch ohne grundlegende Reformen und einen kulturellen Wandel droht der Schwund an Fachkräften anzudauern. Eine Stärkung der beruflichen Bildung, bessere Berufsorientierung und Initiativen wie das „Freiwillige Handwerksjahr“ könnten helfen, das Interesse neu zu wecken. Gelingt dies nicht, leiden darunter nicht nur die Nachhaltigkeitsbemühungen, sondern auch lokale Wirtschaftskreisläufe, die auf Reparatur und handwerkliche Qualität angewiesen sind.