Hannovers SPD-Skandal: Wie 740.000 Euro öffentliche Gelder verschwanden
Birgitt OttoHannovers SPD-Skandal: Wie 740.000 Euro öffentliche Gelder verschwanden
In Hannover ist ein Finanzskandal um Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, aufgedeckt worden. Gemeinsam mit ihrer Tochter Esma Bozdemir wird ihr vorgeworfen, Gelder eines von ihnen geführten Vereins veruntreut zu haben. Die Affäre führte zu Rücktritten und leitete rechtliche Schritte ein.
2018 gründete Iri den Verein Integrationsarbeit Kronsberg. Bis 2023 erhielt dieser vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 924.479 Euro. Davon wurden bis Juni 2023 nahezu 740.000 Euro ausgezahlt – doch nachweisbare Projekte wurden keine umgesetzt.
Iri und Bozdemir sollen sich aus den Vereinsmitteln mindestens 685.000 Euro an Gehältern ausgezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder auch für Immobilienkäufe verwendet wurden, da Bozdemir mehrere Properties in Hannover besitzt. Das Amtsgericht Hannover hat inzwischen ein Insolvenzverfahren gegen den Verein eingeleitet.
Die ehemalige SPD-Politikerin Doris Schröder-Köpf hatte Iri persönlich gefördert und sogar Empfehlungsschreiben für sie verfasst. Adis Ahmetović, SPD-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Landesvorsitzender in Niedersachsen, war bereits im Dezember 2022 über die Vorwürfe informiert worden, unternahm jedoch nichts. Sowohl Iri als auch Bozdemir traten von ihren Posten zurück und legten ihre SPD-Mitgliedschaften ruhen.
Die SPD distanzierte sich mittlerweile vom Verein und betont, es bestünden keine Verbindungen zur Partei. Funktionäre versichern, alle Mitglieder hielten sich strikt an die Richtlinien zum Umgang mit öffentlichen Mitteln. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Veruntreuung und möglicher Immobilienkäufe laufen noch.
