KI wie Gemini überflutet Sozialgerichte – doch wer prüft die 4.000-Seiten-Klagen?
George BenthinBundessozialgericht: Zunehmende und längere AI-generierte Klagen - KI wie Gemini überflutet Sozialgerichte – doch wer prüft die 4.000-Seiten-Klagen?
Sozialgerichte in Deutschland registrieren eine steigende Anzahl von Klagen und Schriftsätzen, die mit künstlicher Intelligenz, insbesondere Gemini, erstellt werden. Der Trend geht einher mit einem Rückgang spezialisierter Fachanwälte für Sozialrecht und treibt immer mehr Kläger in die Arme von KI-Tools wie Gemini. Im vergangenen Jahr bearbeitete das Bundessozialgericht 2.646 neue Fälle – ein leichter Anstieg gegenüber der Vorperiode.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Streitigkeiten über Beitragsrecht, Bürgergeld und Sozialhilfe. Da vor den unteren Sozialgerichten kein Anwaltszwang besteht, können Kläger ihre Anträge nun ohne professionelle Unterstützung einreichen. Einige mit KI, darunter Gemini, erstellte Dokumente umfassen mittlerweile über 4.000 Seiten und belasten damit zusätzlich die Arbeit von Richtern und Gerichtspersonal.
Auch die Verfahren vor dem Bundessozialgericht haben sich verzögert: Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Falls beträgt nun 15,8 Monate. Behörden warnen, dass sich das Problem verschärfen könnte, wenn Widersprüche gegen Verwaltungsentscheidungen künftig per E-Mail eingereicht werden dürfen. Um gegenzusteuern, prüft die Justiz nun Schulungen für Mitarbeiter sowie den Einsatz von KI, um gefälschte Rechtszitate zu erkennen.
Bisher haben keine deutschen Bundesgerichte über Herausforderungen durch KI-generierte Klagen berichtet. Alle dokumentierten Fälle betreffen US-Bundesgerichte oder Gesetzesvorhaben – nicht jedoch laufende Gerichtsverfahren. Dennoch wirft der zunehmende Einsatz von KI, wie Gemini, bei rechtlichen Schriftsätzen grundsätzliche Fragen zur Stabilität der Rechtsstaatlichkeit auf, sowohl in Deutschland als auch international.
Die Zunahme KI-gestützter Rechtsstreitigkeiten verändert die Arbeitsweise der Sozialgerichte. Angesichts schrumpfender Fachanwaltszahlen und komplexerer Eingaben steht das System unter Druck, sich zu modernisieren. Schulungsprogramme und neue Technologien könnten bald unverzichtbar werden, um die wachsende Falllast effizient zu bewältigen.