Kölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Wie eine Baukatastrophe Geschichte auslöschte
George BenthinKölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Wie eine Baukatastrophe Geschichte auslöschte
Im Jahr 2009 stürzte das historische Kölner Stadtarchiv während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie ein. Die Katastrophe zerstörte ein siebenstöckiges Gebäude, in dem 1,7 Millionen Dokumente lagerten – einige davon über tausend Jahre alt. Zwei junge Männer in benachbarten Häusern kamen ums Leben, als die Konstruktion nachgab.
Der Einsturz ereignete sich aufgrund gefälschter Bauunterlagen, mangelhafter Organisation und fehlender Stahlträger. Später stellten Ermittler fest, dass kritische Balken von der Baustelle gestohlen worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung mit derart großen Projekten verfügten, waren damals für die Bauaufsicht verantwortlich.
Monatelang nach der Katastrophe durchsuchten Rettungskräfte zerrissenes Papier und verteilten die Fragmente auf 20 Notarchive. Die juristischen Folgen zogen sich über Jahre hin: Es gab Verurteilungen, Freisprüche und Anklagen, die erst 2024 fallen gelassen wurden.
Seit dem Einsturz blieb die Stelle eine sichtbare Narbe in der Stadt – teilweise verfüllt, überwuchert und mit provisorischem Beton bedeckt. Nun soll dieser Beton entfernt werden, da die Arbeiten an der U-Bahn-Linie wieder aufgenommen werden. Unterdessen setzt sich die Aktivistengruppe ArchivKomplex seit 2011 für eine Mitsprache bei den Neubauplänen und ein würdiges Denkmal für die verlorenen Archive ein.
Der Einsturz löschte Jahrhunderte der schriftlichen Geschichte Kölns aus und hinterließ tiefe Spuren in der Stadt. Mit dem Abschluss der juristischen Verfahren rückt nun die Zukunft des Geländes in den Fokus. Die Beseitigung der provisorischen Bauten markiert eine neue Phase im lange verzögerten U-Bahn-Projekt.






