03 February 2026, 14:51

Kreuzbergs taz beendet eine Ära – die letzte tägliche Printausgabe rollt vom Band

Eine alte Zeitung namens 'Berliner Wespen' vom 21. Februar 1873, die eine Gruppe von Menschen in traditioneller deutscher Kleidung zeigt.

Kreuzbergs taz beendet eine Ära – die letzte tägliche Printausgabe rollt vom Band

Kreuzberg verabschiedet eine Ära: Die taz druckt ihre letzte Wochenausgabe

Letzte Woche endete in Berlin-Kreuzberg eine Epoche: Die taz feierte den Erscheinungstermin ihrer letzten werktäglichen Printausgabe. Im taz-Haus versammelten sich Mitarbeiter:innen, neugierige Anwohner:innen und angeblich auch politische Persönlichkeiten zu einem Abend voller Reden, Emotionen und unerwartetem Chaos.

Bei der Seitenwende-Feier wurde das jahrzehntelange tägliche Erscheinen der Zeitung gewürdigt, bevor sie künftig nur noch samstags als wochentaz erscheinen wird.

Die Gäste drängten sich in der taz-Kantine, wo Sekt, Häppchen und das Versprechen auf Essen kaum mit dem Andrang mithalten konnten. Frisch gedruckte Freitagsexemplare trafen direkt von der Druckerei ein – ein Symbol für das Ende eines historischen Kapitels. Auf der Bühne sprachen die Chefredakteurinnen Barbara Junge und Ulrike Winkelmann zum Publikum. Junge betonte, die Zeitung sei finanziell noch nie besser dagestanden.

Bundestagsvizpräsident Omid Nouripour (Bündnis 90/Die Grünen) hielt eine Rede und verriet, dass die taz seit 1982 mindestens 476 Mal in parlamentarischen Debatten zitiert worden sei. Während er sprach, brach eine Redakteurin im Publikum in Tränen aus, überwältigt vom Moment. Eine andere hielt die Szene in einer skizzenhaften Tagebuchnotiz fest – ein Stück Zeitgeschichte für die Nachwelt.

Der Abend nahm eine unerwartete Wendung, als eine Popcornmaschine explodierte und die Gäste in die Cafeteria flüchteten. Trotz des Durcheinanders beschrieben die Geschäftsführer:innen die Stimmung im Redaktionsteam als Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung, Stolz und staunender Fassungslosigkeit – "als würden ihnen noch Sterne vor den Augen tanzen".

Mit der Seitenwende-Feier endete eine lange Tradition der werktäglichen Printausgabe. Ab Oktober 2023 erscheint die taz nur noch samstags als wochentaz – und hinterlässt ein Erbe des täglichen Journalismus. Die Veranstaltung selbst, geprägt von Reden, Gefühlen und sogar einem Popcorn-Unfall, spiegelte dabei den unkonventionellen Geist der Zeitung wider.