Mainzer Karnevalstradition feiert Comeback nach überstandener Krise
Hildegund LachmannMainzer Karnevalstradition feiert Comeback nach überstandener Krise
Ein beliebter Karnevalbrauch in Mainz erlebt ein Comeback
Die Allerscheenste, eine traditionsreiche Gesellschaft, die für ihren scharfen Humor und freimütige Reden bekannt ist, kehrt 2027 unter neuer Führung zurück. Holger Bartz, der frisch gewählte Vorsitzende der Gruppe, plant die Wiederbelebung nach einer zweijährigen Pause, die durch schrumpfende Mitgliederzahlen und eine überalterte Besetzung verursacht wurde.
Die Allerscheenste wurde 1986 von einer eng verbundenen Gruppe Mainzer Bürger gegründet, die die Kneipen-Karnevalstraditionen der Stadt am Leben erhalten wollten. Von Anfang an wählten sie einen Clown als ihr Symbol und stellten klar, dass niemand von ihren Treffen profitieren solle. Seit 1996 verleiht die Gesellschaft zudem jährlich den Aller-Allerscheenste-Preis an herausragende Persönlichkeiten der lokalen Karnevalsszene.
Jahre lang traf sich die Gruppe alle drei Wochen im Augustinerkeller, einer historischen Kneipe in der Mainzer Altstadt. Ihre Sitzungen wurden berühmt für direkte, ungeschönte Reden und scherzhafte Sticheleien über lokale Eigenheiten. Doch bis 2025 verkündete die Gesellschaft eine unbestimmte Pause. Die Mitgliederzahl war geschrumpft, und das Durchschnittsalter der Verbliebenen lag mittlerweile über 70. 2026 fanden überhaupt keine Treffen mehr statt. Karin Junker, die die Allerscheenste 14 Jahre lang geleitet hatte, trat im vergangenen Herbst zurück. Kollegen lobten ihre organisatorischen Fähigkeiten und ihr Engagement, die Sitzungen lebendig zu halten. Ihr Nachfolger, Holger Bartz, stieg 2019 in die Gruppe ein und hat nun die Führung übernommen. Sein Ziel ist klar: neue Gesichter gewinnen, das Durchschnittsalter senken und sicherstellen, dass die Traditionen der Gesellschaft noch viele Jahre weiterleben.
2027 wird die Allerscheenste ihre regelmäßigen Treffen wiederaufnehmen – alle drei Wochen im Augustinerkeller. Neue Mitglieder müssen sich verpflichten, an den Zusammenkünften teilzunehmen. Unter Bartz’ Leitung will die Gesellschaft ihre Reihen neu formieren, ohne dabei ihre Wurzeln zu vergessen: kein Schnickschnack, keine Gewinne, einfach der unverfälschte, witzige Geist des Mainzer Karnevals.