Marathon-Theater: Warum deutsche Bühnen auf siebenstündige Stücke setzen
George BenthinMarathon-Theater: Warum deutsche Bühnen auf siebenstündige Stücke setzen
Deutsche Theaterpflege hat eine lange Tradition der Marathon-Aufführungen. Manche Stücke dauern sieben Stunden oder länger und fordern sowohl Schauspieler als auch Zuschauer auf eine harte Geduldsprobe heraus. Das diesjährige Berliner Theatertreffen, das vom 1. bis 17. Mai stattfindet, wird erneut ultra-lange Produktionen als Höhepunkt des Programms präsentieren.
Der Trend zu ausufernden Theaterstücken reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren trieb das Aufkommen des Regietheaters – einer von Regisseuren dominierten Theaterform – die Grenzen aus und führte zu opulenten Inszenierungen. Robert Wilsons Einstein on the Beach, das 1976 uraufgeführt wurde, dauerte vier bis fünf Stunden und verzichtete auf eine klassische Handlung. 1999 erreichte Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele mit zwölf Stunden eine schier unglaubliche Länge.
In jüngerer Zeit hat sich dieser Trend nicht verlangsamt. 2023 brachte das Schauspielhaus Bochum eine siebenstündige Fassung der Brüder Karamasow auf die Bühne. In diesem Jahr zeigen die Münchner Kammerspiele beim Theatertreffen Wallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Epos. Die Berliner Volksbühne wird bald Peer Gynt wiederbeleben, dessen erster Teil allein acht Stunden dauerte.
Nora Hertlein-Hull, die Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Aufführung im Jahr 2007. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spielzeiten, doch die Tradition ist fest in der deutschen Theaterkultur verankert. Theater in ganz Deutschland – von den Münchner Kammerspielen bis zur Berliner Volksbühne – setzen weiterhin auf Marathon-Vorstellungen. Die Besucher des diesjährigen Theatertreffens müssen sich erneut auf Stücke einstellen, die weit über die übliche Spieldauer hinausgehen. Der Trend zeigt keine Anzeichen von Erschöpfung: Regisseure und Spielstätten loten nach wie vor die Grenzen der Ausdauer im Live-Theater aus.






