02 February 2026, 22:26

Merz fordert Europas Abnabelung von den USA – und eine radikale Reform der EU

Eine Europa-Karte mit verschiedenen Farben, die Länder und ihre jeweiligen Abkommen und Organisationen darstellen, mit Texten, die weitere Details zur Karte liefern.

Merz fordert größere EU-Unabhängigkeit von den USA - Merz fordert Europas Abnabelung von den USA – und eine radikale Reform der EU

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert ein unabhängigeres Europa und weniger Abhängigkeit von den USA

Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein selbstständigeres Europa gefordert und die EU aufgefordert, ihre Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu verringern. In jüngsten Stellungnahmen betonte er, der Kontinent müsse seine Souveränität in den Bereichen Verteidigung, Technologie und Wirtschaftspolitik stärken. Seine Äußerungen fallen in eine Zeit wachsender Spannungen in den transatlantischen Beziehungen, insbesondere wegen Differenzen in der NATO und in Handelsfragen.

Merz kritisierte die verpassten Chancen Europas in der Vergangenheit und erklärte, verschwendetes Wachstumspotenzial habe den Kontinent schwächer zurückgelassen, als er sein müsste. Als zentrale Hindernisse nannte er übermäßige Regulierung, unnötige Beschränkungen und ein fehlgeleitetes Streben nach Perfektion. Auf einem EU-Gipfel im Februar 2026 in Brüssel sollen die Staats- und Regierungschefs als Reaktion auf seine Reformforderungen die Wettbewerbsregeln der Wirtschaft überprüfen.

Sein Einsatz für mehr Eigenständigkeit erstreckt sich auch auf die Verteidigungspolitik: Zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien laufen bereits erste Gespräche über eine europäische nukleare Abschreckung. Dieses Vorhaben soll die NATO-Schutzgarantien ergänzen – nicht ersetzen – und spiegelt einen Strategiewandel wider, der auf Merz' Aussagen aus dem Jahr 2024 zurückgeht. Die Beziehungen zu den USA haben sich weiter verschlechtert, nachdem er die Politik von Donald Trump in den Bereichen NATO und Afghanistan scharf kritisiert hatte.

Merz unterstrich zudem, dass Europa seine globale Einflussnahme zurückgewinnen müsse, indem es Partnerschaften mit aufstrebenden demokratischen Staaten eingehe. Er beschrieb Chancen mit Ländern, die nach fairer, regelbasierter Zusammenarbeit streben, und positionierte Deutschland als möglichen Knotenpunkt eines Netzwerks souveräner Staaten. Als Teil dieser Strategie haben die Handelsgespräche mit dem Mercosur und Indien an Fahrt aufgenommen.

Im Mittelpunkt seiner Botschaft stand eine Rückkehr zu grundlegenden Prioritäten: Ehrgeiz, Mut und politische Entschlossenheit. Er bestand darauf, dass Europa sich selbst verteidigen, sein Wirtschaftsumfeld beleben und die technologische Führerschaft zurückerobern müsse – und zwar ohne sich auf die USA zu verlassen.

Die Vorschläge des Kanzlers markieren eine deutliche Wende in Deutschlands Haltung zu den transatlantischen Beziehungen und zur EU-Reform. Mit voranschreitenden Verteidigungszusammenarbeiten, Überprüfungen der Regulierungspolitik und erweiterten Handelsabkommen bewegt sich der Block in Richtung größerer Eigenständigkeit. Ob diese Schritte Europas globale Rolle neu definieren werden, bleibt jedoch abzuwarten.