Präsentismus statt Produktivität: Warum Mitarbeiter Scheinaktivität vortäuschen
Hildegund LachmannPräsentismus statt Produktivität: Warum Mitarbeiter Scheinaktivität vortäuschen
Eine neue Umfrage des Jobportals Indeed zeigt: Viele Beschäftigte fühlen sich unter Druck, beschäftigt zu wirken, statt sich auf tatsächliche Ergebnisse zu konzentrieren. Die Erkenntnisse verdeutlichen eine wachsende Kultur des Präsentismus, bei der Angestellte länger bleiben oder Aktivität vortäuschen, um Erwartungen zu erfüllen. Dies fällt in eine Zeit, in der immer mehr Unternehmen nach der Pandemie strenge Büropflichten wieder einführen.
Laut der Studie bleiben 25,4 % der Mitarbeiter auch nach Feierabend im Büro – allein weil ihr Vorgesetzter noch anwesend ist –, selbst wenn sie keine Aufgaben mehr haben. Weitere 23,2 % verschicken E-Mails zu ungewöhnlichen Zeiten, um den Eindruck ständiger Verfügbarkeit zu erwecken. 17,3 % lassen persönliche Gegenstände wie Jacken oder Taschen am Arbeitsplatz, um Anwesenheit vorzutäuschen.
Auch Remote-Arbeiter sind betroffen: 27,7 % geben zu, ihren Status manuell auf "verfügbar" zu setzen, um nicht unproduktiv zu wirken. Mehr als die Hälfte (55,9 %) ist überzeugt, dass Arbeitgeber Sichtbarkeit höher bewerten als messbaren Erfolg. Nur 33,3 % trauen sich zu, ihre Arbeitsergebnisse für sich sprechen zu lassen.
Der Trend passt zu einem größeren Wandel in der Arbeitswelt. Seit 2023 haben rund 1.200 deutsche Unternehmen mit 500 oder mehr Beschäftigten verbindliche Büropräsenzquoten eingeführt – besonders in der Industrie, im Automobilsektor, in der Finanzbranche und im Consulting. Bis 2026 könnten solche Regelungen noch weiter verbreitet sein.
Trotz des Drängens auf Büropflicht würden 66,2 % der Mitarbeiter eine Gehaltskürzung von 5 % akzeptieren, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen gemessen würde. Die Daten legen nahe, dass 32,5 % Präsentismus als Haupttreiber für scheinbare Produktivität ansehen – statt echter Effizienz.
Die Umfrage unterstreicht eine Kluft zwischen Arbeitsaufwand und Leistungsbewertung. Während immer mehr Firmen auf Präsenzpoitzen, setzen Mitarbeiter weiterhin auf Strategien, die Sichtbarkeit über tatsächliche Leistung stellen. Die Ergebnisse werfen die Frage auf, ob traditionelle Arbeitsmodelle noch zu modernen Produktivitätsansprüchen passen.






