24 December 2025, 16:48

Radikale Kunst und Punk: *Die Tödliche Doris* in Bremen entdecken

Ein Collage mit verschiedenen Bildern von Frauen in unterschiedlichen Kostümen, jedes begleitet von Text und Dollarbeträgen.

Radikale Kunst und Punk: *Die Tödliche Doris* in Bremen entdecken

Große Retrospektive von Die Tödliche Doris im Weserburg Museum Bremen eröffnet

Im Weserburg Museum in Bremen ist eine umfassende Retrospektive der einflussreichen West-Berliner Gruppe Die Tödliche Doris zu sehen. Die Ausstellung bietet erstmals einen tiefgehenden Einblick in das kollektive Schaffen, das Punk, Film und Performancekunst verschmolz. 1980 von den Kunststudenten Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen gegründet, sprengte die Gruppe bis zu ihrer Auflösung 1987 künstlerische Grenzen.

Was als Punkband begann, entwickelte sich schnell zu einem vielschichtigen Projekt, das Film, Fotografie und experimentelle Performances umfasste. Ihr frühes Werk Materialien für die Nachkriegszeit verband Film und Fotografie auf eine Weise, die spätere Multimedia-Künstler prägte. Bereits 1981 traten sie beim Festival der Genialen Dilettanten in Berlin auf – gemeinsam mit Acts wie Einstürzende Neubauten.

Eines ihrer umstrittensten Stücke, Das Leben von Sid Vicious, löste mit seiner provokanten Symbolik und konfrontativen Ästhetik hitzige Debatten aus. Die Weserburg-Schau stellt den Film ins Zentrum ihres Schaffens: Mehrere Super-8-Projektionen laufen gleichzeitig und erzeugen, wie Kurator Radek Krolczyk beschreibt, ein ständiges "Summen". Im Vergleich zu Retrospektiven anderer Künstler ihrer Zeit wirkt die Ausstellung jedoch weniger überwältigend. Die Tödliche Doris hinterfragten stets künstlerische Identitäten und fungierten lieber als Projektionsfläche für die Deutungen des Publikums. Ihr Werk umfasste Literatur, Musik und bildende Kunst – immer im Widerstand gegen feste Kategorien. 1987 löste sich die Gruppe auf, doch ihr experimenteller Ansatz wirkt bis heute nach.

Die Retrospektive im Weserburg läuft noch bis Anfang nächsten Jahres und bietet eine seltene Gelegenheit, das interdisziplinäre Erbe des Kollektivs zu erkunden. Ihre Filme, Performances und konzeptuellen Arbeiten prägen weiterhin zeitgenössische Kunstpraktiken. Die Ausstellung zeigt, wie Die Tödliche Doris die künstlerische Zusammenarbeit im West-Berlin der 1980er Jahre neu definierten.