RAW-Gelände in Berlin: Kulturschock nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Bezirk
Hans-Werner HövelRAW-Gelände in Berlin: Kulturschock nach gescheiterten Verhandlungen mit dem Bezirk
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain steht auf der Kippe. Nach fast elf Jahren Verhandlungen mit dem Bezirk hat der Eigentümer die Planungen nun für gescheitert erklärt. Das seit der deutschen Wiedervereinigung als kultureller Hotspot bekannte Areal ist bei Anwohnern und Touristen gleichermaßen beliebt.
Nach der Wende entwickelte sich das RAW-Gelände zu einem Zentrum der Alternativkultur und avancierte zu einer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Adresse, die sogar in Reiseführern empfohlen wird. Clubs wie die Cassiopeia zogen regelmäßig Besucher an. 2015 erwarb die Kurth-Gruppe das Gelände, seitdem wurde um eine Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem Erhalt der subkulturellen Wurzeln gerungen.
Ein Durchbruch schien 2022 in Reichweite: Ein Abkommen sollte den Gebäudekomplex „Kultur-L“ für 30 Jahre durch günstige Mieten schützen. Die Gespräche wurden 2023 wiederaufgenommen, und bis Mai sollte eine Rahmenvereinbarung stehen – doch sie kam nie zustande.
Die Kurth-Gruppe wirft der Stadt nun vor, die jüngsten Vorschläge würden einzig Berlins Interessen dienen. 2024 zog sich das Unternehmen aus den Verhandlungen zurück und setzt stattdessen auf lukrativere Wohnprojekte. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer der Cassiopeia, erhielt mündlich die Aufforderung, den Club bis Monatsende zu räumen – trotz gezahlter Miete. Auch andere Projekte auf dem Gelände müssen in den kommenden Wochen weichen.
Mit dem Abbruch der Verhandlungen ist die Zukunft des RAW-Geländes ungewiss. Mehrere Kulturprojekte, darunter die Cassiopeia, stehen vor dem Auszug. Der langjährige Status des Areals als kulturelle Institution steht damit auf dem Spiel.






