Rébecca Chaillons provokante Performance feiert Uraufführung in Wien
Rébecca Chaillon präsentiert bei den Wiener Festwochen ihre mutige neue Performance Das Gleichnis vom Säure
Bei den Wiener Festwochen in Wien hat Rébecca Chaillon mit Das Gleichnis vom Säure eine provokante neue Bühnenshow uraufgeführt. Das Stück taucht ein in das Leben und die Kämpfe von Menschen, die sich als fett identifizieren, und greift dabei auf Chaillons eigene Erfahrungen sowie die von anderen aus marginalisierten Verhältnissen zurück.
Die Performance beginnt mit Julie Teuf, die Butter an das Publikum verteilt. Sie lädt die Zuschauer ein, davon zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen – zu gewinnen gibt es Lebensmittel im Wert von einem Zehntel des eigenen Körpergewichts. Damit ist der Ton gesetzt für eine Inszenierung, die sich tiefgründig mit den Themen Gewicht und gesellschaftliche Bewertung auseinandersetzt.
Inspiriert von den Lebensgeschichten einer Popikone und einer Astrophysikerin aus derselben stigmatisierten Pariser Banlieue wie Chaillon, verbindet die Show Humor mit schonungsloser Ehrlichkeit. Die Darsteller entschuldigen sich für ihre Körper, bezeichnen sie als regelbrechend und sprechen offen über gewichtsbezogene Verhaltensweisen. Gleichzeitig werden weitere Themen behandelt – von den Wurzeln in den Banlieues über körperliche Gewalt bis hin zu Essattacken und körperlichem Leid.
Ein besonders prägnanter Moment ist eine groteske, doch humorvolle Szene: Die Performenden bedecken sich gegenseitig mit Wackelpudding und wälzen sich auf dem Boden, nutzen dabei ihre Körperlichkeit, um zu provozieren und herauszufordern. Chaillon, in Frankreich eine Kultfigur für ihre Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Identität, inszeniert mit scharfem, unerbittlichem Blick.
Die Performance hinterlässt einen bleibenden Eindruck durch ihre Mischung aus Verletzlichkeit und Trotz. Der Verlosungspreis und die Aktionen auf der Bühne zwingen das Publikum, sich mit unangenehmen Wahrheiten über Körperbilder auseinanderzusetzen. Chaillons Werk treibt weiterhin die kulturelle Debatte über Akzeptanz und Stigmatisierung voran.






