Schleswig-Holstein will Strommarkt revolutionieren – mit eigener Preiszone für Windenergie
George BenthinSchleswig-Holstein will Strommarkt revolutionieren – mit eigener Preiszone für Windenergie
Ein neuer Vorstoß aus Schleswig-Holstein hat die Debatte über die Struktur des deutschen Strommarkts wieder entfacht. Das norddeutsche Bundesland will sich vom einheitlichen Preissystem des Landes abkoppeln, um die reichlich vorhandene Windenergie besser zu vermarkten.
Der deutsche Strommarkt geht derzeit davon aus, dass elektrischer Strom ungehindert von jedem Erzeuger zu jedem Verbraucher fließen kann. Doch diese Annahme ignoriert die physikalischen Grenzen des Netzes, was zu Engpässen und unnötigen Kosten führt. Wenn in den nördlichen Regionen besonders viel Windstrom erzeugt wird, liegt die Spitzenlast oft in Mittel- und Süddeutschland – während der Norden kaum finanziell davon profitiert.
Schleswig-Holstein, möglicherweise zusammen mit Hamburg, schlägt nun vor, eine gemeinsame Preiszone mit Westdänemark zu bilden. Dadurch könnten Regionen mit Überschussstrom ihre lokale Erzeugung zuerst gewinnbringend vermarkten. Der Vorschlag spiegelt ein klares Eigeninteresse wider – genauso wie sich die süddeutschen Länder aus eigenen Gründen dagegen aussprechen.
Die Diskrepanz zwischen Marktmodell und physikalischer Realität bereitet Deutschlands Nachbarn schon länger Sorgen. Sie hat bereits auf EU-Ebene Diskussionen über eine Aufteilung der deutschen Gebotszone ausgelöst. Manche fordern angesichts der norddeutschen Initiative eine grundlegende Reform mit mehreren Preiszonen.
Der Vorstoß zeigt die Belastungsgrenzen des aktuellen Systems auf. Regionale Preiszonen könnten Netzentlastung bringen und lokale Erzeugung belohnen. Die Debatte wird voraussichtlich weitergehen, während die Bundesländer ihre eigenen energie- und wirtschaftspolitischen Prioritäten abwägen.






