Slut-Up-Gedenkstein in Schlutup
Gedenkstein „Slut-Up“ in Schlutup
Ankündigungstext: Der „Slut-Up-Gedenkstein“ hat seinen Platz schräg gegenüber dem Zollhaus in der Mecklenburger Straße gefunden.
Veröffentlichungsdatum: 3. Oktober 2025, 10:00 Uhr MESZ
Schlagwörter: Krieg und Konflikte, Politik, Allgemeine Nachrichten
Artikeltext: Ein Gedenkstein in Schlutup markiert seit Langem einen prägenden Moment der deutschen Geschichte – auch wenn seine Entstehung bisweilen missverstanden wird. Der 1956 aufgestellte Findling mit der Inschrift „Slut up“ wurde zum Symbol der Teilung und später der Wiedervereinigung. Doch noch heute ranken sich Mythen um seine Vergangenheit.
Die Geschichte beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Grenze zwischen Schlutup und Selmsdorf befestigt wurde. Dies folgte der Abgrenzung der britischen und sowjetischen Besatzungszonen. In den 1950er-Jahren entwickelte sich das Gebiet zu einem Brennpunkt des Kalten Krieges.
1956 wurde ein großer Stein an der Grenze platziert, in den die Worte „Slut up“ gemeißelt waren. Der Spruch spielte mit dem örtlichen Ortsnamen, den manche vom Niederdeutschen für „Halt’s Maul!“ ableiten – eine Anspielung auf die Sperrstellung der nahen Trave. Zugleich war der Stein ein Aufruf, die Grenze zu öffnen. Fast ein Jahrzehnt später zwang das steigende Verkehrsaufkommen am nördlichsten innerdeutschen Grenzübergang zu einer Veränderung: 1979 wurde das Denkmal verlegt, um Staus zu entlasten. Dann, 1989, nahm die Geschichte eine Wende: Die Grenze öffnete sich, und die Inschrift wurde um das Jahr „1989“ ergänzt – als Zeichen der Wiedervereinigung. Mit der Zeit verwandelte sich der einst belebte Übergang. Durch Verkehrsberuhigung wurde aus dem Gebiet ein ruhiger Vorortplatz, während der Gedenkstein an die bewegte Vergangenheit erinnert.
Der „Slut-up“-Stein bleibt eine greifbare Verbindung zu Schlutups geteilter Geschichte. Zwar lässt sich seine Entstehung 1956 keiner politischen Gruppe oder einem bestimmten Ereignis zuordnen, doch steht das Denkmal heute für Trennung und deren Überwindung. Heute dient der Ort als friedliches Mahnmal für Deutschlands wiedervereintes Gegenwart.