09 February 2026, 22:44

Stefan Raab und RTL Live in der Antisemitismus-Kritik: Wie ein Sketch über Gil Ofarim die Debatte entfachte

Ein Plakat, das eine jüdische Ausstellung in Paris ankündigt, mit einer Person vor einem Tisch mit einem Buch und einer Menora, sowie Ausstellungseinzelheiten.

Stefan Raab und RTL Live in der Antisemitismus-Kritik: Wie ein Sketch über Gil Ofarim die Debatte entfachte

Eine umstrittene Comedy-Einlage in der Stefan Raab-Show hat für Empörung gesorgt, nachdem darin antisemitische Klischees über den Musiker Gil Ofarim verbreitet wurden. Der Beitrag, der abwertende Andeutungen über seine Herkunft enthielt, wurde später von RTL Live aus seiner Streaming-Plattform entfernt. Der Sender wies Vorwürfe des Antisemitismus zurück, doch der Vorfall hat die Debatte über die Darstellung jüdischer Menschen in deutschen Medien neu entfacht.

In der Sonderausgabe der Stefan Raab-Show wurde Ofarim in einem Sketch verspotten, in dem ihm ein angebliches "Schwindler-Gen" von "Onkel Samuel" zugeschrieben wurde. Die Einlage unterstellte zudem, seine Musik sei "besonders in der jüdischen Gemeinschaft" erfolgreich – und bediente damit schädliche Vorurteile. RTL Live reagierte mit der Löschung der gesamten Sendung von seiner Plattform, lehnte aber die Antisemitismus-Vorwürfe ab.

Der Vorfall ereignet sich nach Ofarims eigener Kontroverse im Jahr 2021, als er wegen falscher Anschuldigungen gegen einen Hotelmitarbeiter – er hatte diesem Antisemitismus vorgeworfen – eine Verleumdungsklage riskierte. Diesmal rückte jedoch die Verantwortung des Senders für die anstößigen Inhalte in den Fokus. Trotz der Kritik gehen Branchenbeobachter davon aus, dass weder RTL Live noch Raab langfristige Konsequenzen drohen, da der Sender die Show 2024 eigentlich nur zur Steigerung sinkender Quoten wiederbelebt hatte.

Online-Diskussionen über Ofarims späteren Auftritt bei Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! befeuerten zudem antisemitische Verschwörungstheorien in sozialen Medien. Der Fall wirft zudem grundsätzliche Fragen auf, wie jüdische Menschen in der deutschen Unterhaltungsbranche exotisiert werden – etwa wenn private Details für Reality-TV-Dramen instrumentalisiert werden.

RTL Live entfernte den Beitrag nach öffentlicher Kritik, doch da der Sender Antisemitismus bestreitet, dürfte der Vorfall bei vielen Zuschauern schnell in Vergessenheit geraten. Die Affäre reiht sich ein in die anhaltende Debatte über Medienverantwortung und die Darstellung jüdischer Personen in der Popkultur. Ob und wie Ofarim selbst auf die Klischees reagiert hat, bleibt in den verfügbaren Berichten unklar.