Sylter Weinhändler soll Anleger um 2,6 Millionen Euro betrogen haben
Birgitt OttoProzess gegen Sylt-Weinhandel - Weinbetrug? - Sylter Weinhändler soll Anleger um 2,6 Millionen Euro betrogen haben
Ein ehemaliger Weinhändler aus Westerland auf Sylt muss sich wegen Betrugs und wegen verzögerter Insolvenzanmeldung vor Gericht verantworten. Das Landgericht Kiel hat für den Prozess 22 Verhandlungstage angesetzt; das Urteil wird im Juni erwartet. Den Ermittlungen zufolge soll der Angeklagte zwischen 2018 und 2020 Anleger durch betrügerische Geschäfte um mehr als 2,6 Millionen Euro geprellt haben.
Die finanziellen Probleme des Angeklagten begannen Ende November 2018, als sein Unternehmen insolvent wurde. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 1,6 Millionen Euro, während die Vermögenswerte um 1,5 Millionen Euro darunterlagen. Dennoch meldete er die Insolvenz erst im Januar 2020 an.
Zwischen Dezember 2018 und Oktober 2019 überzeugte er Investoren, Geld in fragwürdige Projekte zu stecken. Ein Schema umfasste einen Investmentfonds, der jährliche Renditen von mindestens zehn Prozent versprach. Allein im April 2019 sammelte er auf diese Weise von mehreren Geldgebern über 356.000 Euro ein.
Der Angeklagte betrieb zudem ein Modell, bei dem Käufer Wein, Champagner oder Cognac bestellen konnten – angeblich mit der Aussicht auf eine Rendite, falls sie innerhalb einer bestimmten Frist stornierten. Viele erhielten jedoch nichts zurück. Insgesamt nahm er auf diesem Weg über 1,7 Millionen Euro ein und beging in 89 Fällen gewerblichen Betrug.
Ein Brand in seinem Lager zerstörte zwar einen Teil der Bestände, doch der Angeklagte weitete die Betrugsmasche aus, indem er selbst produzierten Gin verkaufte. Dadurch kamen weitere 216.000 Euro aus 14 separaten Geschäften hinzu. Zudem nahm er ein Darlehen über 125.000 Euro auf, um Champagner zu kaufen, tilgte die Schulden nie und verkaufte Flaschen im Wert von 163.000 Euro an einen anderen Händler – ohne sie jemals zu liefern.
Während dieser gesamten Zeit täuschte er eine solide Bonität vor. Die Gesamtverluste der Anleger belaufen sich mittlerweile auf über 2,6 Millionen Euro.
Im Mittelpunkt des Prozesses stehen 124 Betrugsfälle. Das Gericht prüft, wie der Angeklagte den Zusammenbruch seines Unternehmens hinauszögerte, während er gleichzeitig Gelder abzog. Eine endgültige Entscheidung wird im Juni erwartet. Die genaue Zahl der geschädigten Anleger bleibt unklar, da die Unterlagen keine genauen Opferzahlen ausweisen.