19 April 2026, 12:21

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys widerwillig die Tür öffnete

Plakat für die Große Kunstausstellung in der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland, 1904, mit auffälligem Text, der das Ereignis ankündigt.

Wie die DDR 1988 Joseph Beuys widerwillig die Tür öffnete

Die DDR zeigte 1988 ihre erste und einzige Joseph-Beuys-Ausstellung

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Anfang 1988 richtete die DDR ihre erste und einzige Ausstellung zu Joseph Beuys aus – ein seltenes Zeichen der Lockerung in der langjährigen Ablehnung des Künstlers, der jahrelang als "unerwünschte Person" galt. Trotz politischer Vorbehalte erkannten Kulturfunktionäre schließlich, dass sein Einfluss nicht länger ignoriert werden konnte.

Die unter dem Titel "Beuys vor Beuys" laufende Schau präsentierte vom Mitte Januar bis Mitte Mai 1988 insgesamt 216 Werke aus der Sammlung van der Grinten, die den Zeitraum von 1946 bis 1966 abdeckten. Zunächst im Berliner Marstall eröffnet, zog die Ausstellung später an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst um.

Die Verhandlungen für die Präsentation in der DDR begannen nach Jahren der Ausgrenzung. Selbst Persönlichkeiten wie Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, betonten in einem Schreiben an das ZK der SED Beuys' Bedeutung. Dennoch vermieden die Organisatoren sorgfältig jede Erwähnung seiner Rolle als gesellschaftlich engagierter Künstler oder Demokrat.

Die Entscheidung, die Ausstellung zu zeigen, spiegelte eine widerwillige Anerkennung wider. Zwar war Beuys unter der sozialistischen Kulturpolitik jahrelang ausgegrenzt worden, doch sein Einfluss auf die zeitgenössische Kunst ließ sich nicht länger leugnen. Die Schau wurde zu einem der seltenen Momente, in denen die DDR sich mit westlichen Avantgarde-Ideen auseinandersetzte.

Die Ausstellung von 1988 blieb die einzige offizielle Präsentation von Beuys' Werk in der DDR. Sie umfasste frühe Arbeiten, klammert jedoch sein späteres politisches Engagement aus. Trotz dieser Einschränkung markierte die Schau eine kleine, aber bemerkenswerte Öffnung in den starren kulturellen Grenzen der DDR.

Quelle