12 June 2026, 18:14

WM-Fieber lässt Deutschen Nationalstolz kurz aufblühen – doch dann kehrt die Zurückhaltung zurück

Lieber "Party-Patriotismus" als kein Patriotismus

WM-Fieber lässt Deutschen Nationalstolz kurz aufblühen – doch dann kehrt die Zurückhaltung zurück

Alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft eine Welle des Patriotismus in Deutschland. Flaggen, Nationalfarben und stolzes Bekenntnis zum eigenen Land sind dann offener zu sehen als sonst irgendwann im Jahr. Doch abseits dieser Momente fällt es vielen Deutschen schwer, solche Gefühle ohne Vorbehalte zu zeigen.

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2013 nahm die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Wahlabendveranstaltung eine deutsche Flagge von Hermann Gröhe entgegen, der damit wedelte. Merkel selbst mied oft Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“ – ein Zeichen für die allgemeine Zurückhaltung in der politischen Klasse. Diese Vorsicht beschränkt sich nicht auf die Führungsebene: Auch viele Bürger tun sich schwer mit offen gezeigter nationaler Begeisterung, selbst an Feiertagen.

Die WM bietet eine seltene Ausnahme. Vor einem Turnier schmückte der jüngste Sohn des Regisseurs Juri Sternburg den Familienwagen mit Deutschlandflaggen. Doch solche Begeisterung ist meist nur von kurzer Dauer. Sternburg selbst warnt, dass dieser „positive Party-Patriotismus“ Nationalismus normalisieren könnte. Ein aktueller Arte-Dokumentarfilm geht sogar so weit zu behaupten, dass der fußballbedingte Patriotismus indirekt Bewegungen wie Pegida oder die AfD stärken könnte.

Für manche, wie den Regisseur des Films, spielt Fußball im Alltag kaum eine Rolle. Sie schalten nur ein, wenn die Nationalmannschaft bei großen Turnieren antritt. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass die landesweite Euphorie länger anhält als nur bis zum Ende der Vorrunde.

Die Weltmeisterschaft hebt für kurze Zeit die sonst so typische deutsche Zurückhaltung in Sachen Nationalstolz auf. Flaggen wehen, die Feiern werden lauter. Doch sobald das Turnier vorbei ist, kehrt meist die gewohnte Vorsicht zurück.

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